Geburtstag

Ach T,

zehn Jahre waren wir zusammen, wie oft wir uns gestritten, ich habe nicht gezählt. Oft sagt meine Erinnerung.

Wie oft wir miteinander Lust gelebt, ich habe nicht gezählt. Im Schatten des Apfelbaums, sagt meine Erinnerung, haben wir uns vor einem Jahr , ahnend es sei der letzte, in Deinen Geburtstag hineingeliebt.

An unser erstes Mahl, gierig und einander kennenlernend erinnere ich mich, auch an unsere letzten Lustmahlzeiten, zu denen Du mich wieder eingeladen, im Hospitz, als Du keine Schmerzen mehr hattest und wir noch miteinander sprechen konnten.

Dazwischen war ganz viel: Lust, Streit und Alltag; angebranntes und köstliches Essen. Gespräche, Reisen, Reden und Schweigen, viel mehr noch, wofür ich jetzt keine Worte habe.

Gestern habe ich zusammen mit L und B, das Cello wieder gehört, das Du so lang gespielt. C hatte hatte mich eingeladen, dem Du es geschenkt, als Du es nicht mehr spielen konntest. Er bereitet sich auf die Aufnahmeprüfung vor und übt auch öffentlich im Gottesdienst. Es war nicht seine erste Einladung, jetzt zusammen mit den Beiden hab ich mich getraut.

Ganz anders hat es geklungen, natürlich. Ich habe mich gefreut  und neugierig gelauscht.  Bei Bachs 2. Sonate für Cello und Orgel, war es so gut zwischen den Beiden zu sitzen, die wortlos ihre Arme um mich legten, als es aus es aus mir  schluchzte.

Beim Essen unterm Apfelbaum, konnte ich sagen: Mit Dir am Cello habe ich diese Sonate erstmals gehört, am Tag vor unsrer ersten Nacht.

B ist noch am Nachmittag gefahren. Hier war nichts mit am Rechner arbeiten, wir kamen immer ins Klafetzen. Sie arbeitet vor, um in den nächsten Tagen Zeit mit L zu haben.

Ich bin aufgewacht lange vor dem Wecker. Bürobereit trinke ich Kaffee und tippe.

Im Ofen wächst Dein Kuchen mit Erdbereren, Rharbarber und Streuseln, wie immer. L wird ihn befreien, wenn ich artig am Schreibtisch sitze. Nach Feierabend wird sie mit ihm am Bahnhof sein. Zusammen werden wir zu Deiner Mutter fahren.

Sie hat eingeladen zu Deinem ersten Geburtstag ohne Dich. Dich zu feiern und das Leben. Ich freu mich darauf – auch.

Die Geschwister werden da sein, L und B natürlich und andere FreundInnen auch.

Das Wasser des Lebens fällt vom Himmel. Ich ziehe mir die Jacke an und schwinge hol das Rad aus dem Keller.

Wie der Tag weitergeht? Ich werde es erleben.

L hat morgen ihre nächste Chemo.

 

 

 

 

 

 

S

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