B am Telefon

Ich komme aus dem Garten, putze Bohnen. Das Telefon. K, hast du Zeit oder, bist du auf dem Sprung zum Chor. B, es sind Sommerferien. Ich habe Zeit. Du klingst nicht gut.

Nee. So schlimm war es noch nie. Was denn? L kotzt sich sie Seele aus dem Leib, nicht mal die Tropfen bleiben drin. Mmm.  Schläft L? Mmm, ich könnte sonst nicht so reden.

K, hast du eine Idee? Noch nicht. Was habt ihr denn ausprobiert? Ich höre zu. B, kann es sein, dass es einfach zu viel war? Weiß nicht. Ich auch nicht. Was ihr probieren könnt, Schlunz lauwarm, nur eine Tasse voll,  ne Pause, Gemüsebrühe, Tee, alkoholfreies Bier, immer nur ne kleine Menge, ein Kräcker …, wonach der L dann ist. Garantieren kann ich für nichts. Danke.

B, was brauchst du? Nimmst du mich ich in den Arm? Komm her. Wir schweigen.

Weißt du, was so anstrengend ist? Was? Nix tun zu können. B, ich kenne das Gefühl der Ohnmacht. Mmm. Ich glaub, du tust ganz viel. Meinst du? Ja, du bist mit L, so wie’s grad ist.

K, wie war dein Tag? Ich habe ihn genossen. Hast du frei? Auch morgen, ich bummel Überstunden, ab, brauch ne Pause. Die bräucht ich auch. Glaub ich dir. Was hast Du gemacht?

Im Garten übernachtet, gejätet, Bohnen gepflückt, gepaddelt, bei meinen Eltern Mittag gegessen, in der Hängematte geschaukelt, Zeitung gelesen …

K, du sprichst von Dingen, von denen ich träume. Glaub ich dir. Hast du schon mal an eine Pause gedacht? Oh ja. Meine Schwester hat mich eingeladen. Am Wochenende sind Mann und Kinder außer Haus. Klingt gut. Mmm. B, du klingst zweifelnd. Mmm. Ja.

Woran hakt’s? Wir schweigen. Vielleicht am Mut. Wieso? Ich trau mich jetzt nicht, L zu sagen, dass ich mal wieder ohne sie sein möchte, für ein paar Tage. B, wovor hast du Angst?

Wir schweigen. Das sie sich verlassen fühlt. Wir schweigen.

B, ich weiß, das L immer mal wieder Angst hat, du würdest sie verlassen, weil sie ist, wie sie ist. Ihr habt darüber gesprochen? Ja.

K, T hatte die auch, solange sie sie noch sprechen konnte. Wir haben darüber gesprochen. Ich weiß.

B? Mmm. Ihr hattet Zeiten, in denen ihr nicht wußtet, ob es mit euch weitergeht. Ja. K, ihr auch. Ja, frag mal L, die war mal meine Beichtmutter. Ihre Lippen werden verschlossen sein. Davon gehe ich aus.

Wäre L dir am Wochenende willkommen? Das habe ich ihr gesagt. Habt ihr schon gesprochen, nach der letzten Chemo? Nein, das findet sich.

B, mich ruft mein Bett. Ich gehe jetzt zur Tanke.

Wir umarmen uns, legen auf.

 

 

2 Gedanken zu “B am Telefon

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