Ein bunter Tag

Ich wache auf, es duftet nach Gebäck. Es kühlt im Wohnzimmer, auch auf dem Sofa stehen Platten. Ich tapse in die Küche, L seit wann bist du schon wach? Halb vier. Kuchen backen, wenn zwei um die Wette schnarchen, hat schon was. K, nimm dir einen Kaffee, vorher bist du ungenießbar.

Ich gieße ein, gehe ins Wohnzimmer, ein Stuhl ist frei, genieße mein Morgenschweigen und tüte Abgekühltes ein, trage leere Platten in die Küche. L drückt mir eine volle in die Hand und brezelt weiter. K, die ohne Salz sind für mich. Mmm.

Ich fange mit dem Abwasch an. K, wann beatboxt U?  Ich nenne die Zeit, dann bin ich da. Ein Stündchen Straßenfest … Wir reden über dies und das. L zieht das letzte Blech aus dem Ofen. Machst du den Rest, meine Füße … Na klar.

Mit gefülltem Becher gehe ich zu L. Lege meinen Arm um sie. Danke, du bist ein Schatz. L es tut mir gut zu sehen, das ich was geschafft. Ich stell den Becher ab, streichle ihre Schultern, wir schweigen. L nimmt einen Schluck. K,  holst du mir einen Becher von der kinderfreundlichen Anfängermischung? Mit Kakao ? Mmm.

Ich trinke den Kaffee aus, gehe ins Bad. B ist aufgewacht, trinkt Kaffee. Wir frühstücken. K gehst du die Parade mit? Ein Stück, dann geh ich zurück zum Stand, will da sein bevor die Parade ankommt, wie im letzten Jahr. Ich schlucke. K , ich gehe gern mit dir, sagt B. Danke, das ist gut. L geht zu Bett. Ich packe und schwinge mich auf’s Rad.

Auf dem Platz stürmt U auf mich zu, springt mich an. U ist zwölf. Nimmt mir zwei Taschen ab. Flitzt weg, ich will zu Mama. Alles geht seinen Gang. Ich packe die ersten Brezeln aus, den Kuchen. L hat schon Kaffee gekocht, Kuchen kommen, auch in Regenbogenfarben.  U ist wieder da. Was kostet eine Tüte Popcorn? 2 €. Ich reiche ihm eine. Magst du für lau? Wer ist der Chef? I, steht neben mir. Darf K das einfach so. U strahlt. Wo sind mehr Kaffebecher? Jemand  hat Kondomkartons darauf gestellt. Der Bruder ist da, hat neben Kuchen Klopse mitgebracht. Auch M ist da. Alles geht seinen Gang. Kaffee fließt, Kuchen schwindet, neuer landet an. Von den Wagen wummern die Bässe.

Plötzlich steht B vor mir. Käsekuchen, davon möchte ich ein Stück. Bist du auf Entzug? Mmm. Seit L selten nach Kuchen und sie so oft hier, backen wir kaum. Bäcker schmeckt eben anders. B, das wird sich nach der Chemo ändern. Darf ich dir M vorstellen? Er ist mein Partner bei der queeren Sprachlerngruppe.

Neue Kunden, ich hole dich hier ab. Mmm.

Wir gehen zusammen B, M der Bruder U und ich, Mama ist Ordnerin. U fragt die PolizistInnen ob er sie mit Seifenblasen beschießen darf. Es schüttet, wir stellen uns unter ein Kaufhausdach. M fordert mich auf zum Tanz. Musik gibt es genug. Nah miteinander bewegen wir uns dazu, auch im Regen, aus seinen Augen regnet es auch. Wir bleiben stehn, halten uns fest, M weint auf meine Schulter. Warum höre ich U fragen. Der Bruder geht mit ihm.

M kommt aus einem Land, in dem es undenkbar ist ist, das Männer und Frauen miteinander tanzen, in aller Öffentlichkeit. Ein Land, für das B eine Feindin wäre, ob ihres andren Glaubens. Ein Land, in dem es öffentliche Hinrichtungsplätze gibt,  in jeder größeren Stadt. Unter dem Schwert wollte M nicht landen, nur weil er Männer liebt.

B reicht Taschentücher.

An der  Ecke , an der T im letzten Jahr wie auf einem wankenden Schiff sich fühlte, rotzte es mich nieder. B nimmt mich in den Arm. Wir setzten uns auf eine Bank. K, reichte mir ein Taschentuch aus Stoff, es riecht nach L.

Wir nehmen eine Abkürzung, treffen den Zug. Vor einem Friseursalon, aus dem im letzten Jahr  Anfeindungen in verschiedenen Sprachen geklungen, standen Ledermänner mit Fahnen. Die Aussicht ist verbaut.

Ich eile zurück zum Stand, Kaffee fließt, Kuchen schwindet.

Die Eltern, auch sie wollen U erleben. Mutti sieht nicht gut aus.Heute morgen ist plötzlich T eine jüngere Cousine gestorben. Mittwoch ist die Beerdigung ihres Cousins, der auch jünger war.

U beatboxt. Er macht das richtig gut. Stofftiere fliegen.

M baggert an jeder Ecke. Seins. Vermutlich täte ich das an seiner Stelle auch.

Die Eltern bleiben, sind da noch nach den Reden, als die Ballons aufsteigen.

Aus mir quillt es. Auch um die einstmaligen Freunde, aber auch und um Dich T. L und B halten mich. Das tut auch gut.

Schräg gegenüber hält mein Bruder meine Mutter.

U  kommt angeflitzt. K, bist du bei meinem nächsten Auftritt noch da? Ja. Und warum weinst du?  Ich vermisse T. Auch ihre Küsse? Mnn. Würd ich bei Mama auch. Bist du bei meinem nächsten Auftritt da? Klar. Cool.

Wo sehen wir uns heute Nacht? In der Wohnung. Wir machen was zu essen. Bis dann.

Am Stand räumen wir auf. Mir tun die Füße weh.

Mit M tanz ich in die Dunkelheit, wir trinken Bier. Ich radele nach Hause.

Zuhause setz ich mich und will nie wieder aufstehen. B bringt mir Suppe. Wir reden in die Nacht.

 

 

 

 

 

 

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