Hatschi

Ich sitz im Meeting, diesmal per Skype, die Chefin ist noch krank. Hatschi! Mist. Haben wir noch Mundschutz. Ich weiß es nicht. Ich schreib ihn auf den Einkaufszettel.

Im Garten verlässt L die Staffelei, will mich umarmen. Vorsicht L, ich habe angefangen zu niesen. Beide wissen wir, wie es trotzdem geht. Ich habe Mundschutz mitgebracht, wir können nachher paddeln. K, es ist so gut, dass ich dir nichts erklären muss. Magst du auch Kaffee? Mit viel heisser Milch.

Ich gehe in die Hütte, L an die Staffelei.

Wir trinken Kaffee unterm Apfelbaum. Was wollen wir heute essen? Kartoffelpü mit Eiersalat, ich habe eingekauft. U kommt  herein, klatscht uns ab. Mein Fahrrad ist noch heil. Paddelt ihr heute noch. Mmm. Nehmt ihr mich mit? Wir schauen uns an, nicken. Habt ihr Kakao für mich? Heute nicht. Geh mal in die Hütte. U kommt zurück. L, hast du Iso für mich gekauft? Mmm. Cool, danke. Willst du mit uns essen. Was gibt es denn? Eiersalat. Cool, ja. Hilfst du mir beim kochen? Ja, aber erst schreib ich Mama.

Ich gehe in die Hütte, setze Eier auf. K, bist du blöd? Pellkartoffeln kocht man doch so. Es gibt Kartoffelpüree? Spinnst du? Oder ist das wegen dem Mund von L ? Mmm. O.K., ich mache mit beim Soliessen. Darf ich die Kartoffeln schneiden? Ja. K? Mmm. Hast du L auch mal nackt gesehen? Ja, am Strand. Sieht die echt so aus? Wie? Wie auf dem Bild im Schuppen? Ja. Ich meine, hat die gar keine Haare mehr, auch nicht da unten? Ja. U, wenn die Chemo vorbei ist , wachsen alle Haare wieder. Ich weiss, ich habe T gefragt, die Mama, meiner besten Freundin, du kennst sie ja. Mmm. Die hatte das ja auch mal. Ich weiss. Muss L manchmal kotzen? Ja. Bist du sicher? U, ich war schon dabei. Das ist voll ekelig. Hast du L dann in den Arm genommen? Ja. Das ist gut, Mama macht das mit mir auch. U, deckst du den Tisch? Gleich. K, setzt dich mal hin. U setzt sich auf meinen Schoß, kuschelt sich an mich. K, gut, dass ich dich fragen kann. Ich umarme ihn, dass kannst du L auch. Weiss nicht, ist ihr das nicht peinlich? Ich glaube nicht, aber vielleicht dir? Mmm. Ich kann es ja mal versuchen. Jetzt decke ich den Tisch, er nimmt die Teller.

Wir sitzen unterm Apfelbaum. L tropft. Ist das damit du nicht kotzen musst? Ja. Aha. Hatschi! Wir essen. L, K hat gesagt, ich kann dich alles fragen so wegen deiner Krankheit, stimmt das. Ja. Ist es deshalb, das du soviel pennst?  U, deshalb bin ich nachts oft wach und schlafe am Tag, das liegt an der Chemo. Ach so, ich dachte schon, du stirbst bald. Das habe ich nicht vor, wie kommst du drauf? Wegen T. In den letzten Sommerferien war sie ganz oft hier. Oft hat sie geschlafen. Weisst du, was sie auch gemacht? Nein. Als ich Bronze hatte, hat sie mir die Eskimorolle gezeigt, seitdem, darf ich den Einer. Hatschi!

Gibt es Eis. Heute nicht. Habt ihr einen guten Nachtisch? Ich zucke die Schultern, Apfelmus, fragt K. Cool. Wo? L sagt, wo es steht, U zieht los.

K, im Keller sind viele Gläser. Ich weiss, bei T waren noch viel mehr, wir haben geteilt. E hat drauf bestanden, das ich meinen gerechten Anteil bekomme, ich war zu alle zum diskutieren. Nimm mit, wenn du magst. Gerne.

U kommt zurück. L, das mit Rosinen mag ich nicht, aber das. Hatschi! U holt Schalen, Löffel. K, hat T das für uns gemacht oder wollte sie das essen? Ich weiss das nicht, ich glaube beides. Mmm, voll lecker, danke T, sagt U.

Wir  tragen die Boote zum Fluss und paddeln los.

K, warum hast du das um? Du siehst voll komisch aus. U, ich kriege eine Erkältung und will L nicht anstecken. Warum? Hatschi! Wenn ich jetzt eine Erkältung kriege, muss ich sofort ins Krankenhaus, sagt L. Das ist nicht gut. Mmm.

Zuhause trinken wir noch Bier und reden. Das Handy surrt. Ihr seid die coolsten alten Frauen, die ich kenn, schreibt U. L, ich habe deine Nummer nicht: Wenn du wieder fit bist, machen wir dann ein Rennen? Mir dröhnt der Schädel. L antwortet, ich wasche mir die Hände, ein neuer Mundschutz, nen zweiten nehme ich mit.

Darf ich, frage ich, als ich meine Hände auf L’s Schultern lege. Gern. Auch sie verkleidet sich.  Ich streichle und massiere. L später auch. Setzen uns Arm in Arm auf’s Sofa, streicheln. Ein Vorrat für die nächsten Tage.

 

 

 

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