Der Wampenbär hat sich verpisst

Ich krabbele aus dem Schlafsack, die Sonne lacht, die Elster keckert. Auf dem Tisch unter dem Apfelbaum, ein Becher, Mundschutzpackung, Tee, Milch, die Thermoskanne mit meinem braunen Morgenelixier. Ich gieße ein. Nach Kaffee schmeckt es noch nicht. Ich trinke, genieße die Morgenruhe.

Ein Zettel: K, wir schwimmen, danach hole ich Brötchen, welche willst du, schrieb U. Der Bleistift liegt daneben. Die beiden kommen auf dem Weg, in Handtücher gehüllt. U rennt auf mich, zu, hüpft mir auf den Schoß. Jetzt bin ich nass. K, also Idioten gibt es. Mmm? Am Steg war so ein Wampenbär, weisst du was der gesagt hat? Nee. So‘ ne Lesbenamazone, die sollte man vergasen. L legt ihre Hand auf meine Schulter, wir nehmen Mundschutz. L umarmt mich. Ich streichle ihren Nacken.

U, du warst mein Ritter, sagt L. L, du bist so cool, du zeigst mir, wie kraulen geht. L geht zum Bademantel. Ich habe L dann geküsst, Mama zu ihr gesagt. K, du weisst ja, dass das nicht so ist, ich wusste kein besseres Liebeswort. Der Wampenbär hat sich verpisst.

6 Gedanken zu “Der Wampenbär hat sich verpisst

  1. Ja, auch sowas gibt in Deutschland im August 2017. Ich glaube überall. Dummheit ist international, und wie ich fürchte, unsterblich.
    In Basel war ich zuletzt im vorletzten Jahr, mit T. , auch im August. Wir saßen, am Fasnachtsbrunnen genossen, sein kühlend tropfen. Wir küssten uns.
    Ein Herr, Leinenanzug, Panamahut, zuvor im Café hatte er am Nebentisch gesessen: „Solche, sollte man verbrennen.“ Er spuckte auf den Boden.

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  2. Oh… ich möchte schreien ob solcher Ignoranz. Und kann mir doch nicht wirklich vorstellen, wie es ist, so angegangen zu werden. Da bleibt nur, aufmerksam hinzuhören und mutig hinzustehen, wenn ich solche Situationen wahrnehme und Stellung zu beziehen.
    Und ich wünsche dir, dass du auch noch andere, schöne Erinnerungen aus Basel mit heim nehmen konntest…

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  3. Danke für die Grüsse.

    Ich mag den Brunnen, am schönsten sah er aus, vereist, vor Jahren.
    Ich plane derzeit keinen Besuch; die Tante mag keinen aus der Ferne angereisten mehr, hat Angst vor Überforderung; Thema Demenz.

    Wir telefonieren einmal in der Woche, für sie oft ein „Aufsteller“. Inzwischen spricht sie Hochdeutsch und Baseldytsch in einem Satz.

    Baseldytsch, verstehe ich gut, Zürich geht, Berndytsch fordert mich mehr. Das Wallis ist eine Herausforderung für meine norddeutschen Ohren.

    Bitte, grüsse den Brunnen.

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