Bunter Abend

Ich stopfe den Kühlschrank voll, setze Kaffee auf, putze das Bad. Der Schlüssel dreht im Schloss. K, lass mich auf’s Klo, dann kannst du weiter feudeln. Ich zieh den Tisch aus und hole das grosse Tuch und klappe Stühle. K, planst du ein Fest? Die Jungs kommen nachher zum Esse. Heute? Ich dachte morgen.

Mit Kaffee sitzen wir am Küchentisch. Ich habe gemalt, lange geschlafen, Suppe gegessen, gemalt und war mit mir.

Wir schälen Kartoffeln, Zwiebel, schneiden, die Kapern auch und manschen Hack und Banenquark. Die Töpfe dampfen. L deckt den Tisch. K, wann kommt B. Montag, sie ist doch beim Seminar. Tränen, stumm nehme ich L in den Arm. Ich vergesse alles.  Nöh, nur manches. Schweigendes Streicheln. L, das ist blöd und ändert sich wieder. Ich hoffe …

Es klingelt, der Bruder, er lässt die nächsten rein. Jeder kommt mit einem süssen Gastgeschenk.

Wie heisst diese Essen? Königsberger Klops. Wie? Die Sprachlernenden versuchen auszusprechen, die Eingeborenen, hören, ermuntern, korrigieren. Was bedeutest das. Klops heisst Frikadelle. Was ist Kunigsbarg. Kennt ihr Kaliningrad? Schüttelnde Köpfe. Der Bruder, holt den Atlas. Das ist Russland. Essen war gut. Jetzt nicht nehr. Mein Bruder und Familie ist tot, von russische Bomben.

Wir schauen auf die Karte. Die war einmal deutsch, da hieß sie Königsberg. Vor dreihundert Jahren? Erst vor zweiundsiebzig, mein Vater ist dort geboren. Unsere Mutter auch.

Alle Löffeln wieder.

Wie heißt das, ich kenne das aus dem Irak? Dill. Das essen wir nicht mit Gurken.

Langsam essen wir mit mit vielen Fragen .

Warum habt ihr keine Haare? Chemo. Was ist das? „Chemotherapy“, jemand übersetzt Arabisch. Alle erinnern wir Menschen, die diesen Weg gegangen. Nur wir deutschen Eingeborenen, erinnern uns an Menschen, die in Betten an Krebs gestorben.

Die von denen uns erzählt, starben in Kriegen, an Hunger, auf der Flucht.

M schaut auf sein Handy. Sch…, der letzte Bus war. Wo wohnst Du, fragt der Bruder. Sandeshüben. Ich fahre dich hin, M, wenn du magst nehme ich dich auch M. Ich kann auch auch am Bahnhof warten. Kannst du, ich fahre dich gerne. M. M, wie kommst du in dein Dorf in Mecklenburg. Mit dem Zug. Ich läufe dann. Du kannst hier übernachten, sage ich.

Wo? Im kleinen Zimmer. K, da schlafst du. Mit L kann ich im großen Bett schlafen, wie mit einer Schwester.

Wir lassen den Abwasch stehen. M legt sich in die warme Wanne.

Zähne putzen wir in der Küche. Flüstern, einander dankend und schlafen ein, Rücken an Rücken.

 

 

 

 

 

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