Veränderungen

Ich komme in den Garten. L schläft in der Hängematte. Ich ziehe mich um, koche Kaffee, setze mich mit einem Buch unter den Apfelbaum.

K, du hier? Heute ist doch Chor. Mmm, singen kann ich auch wenn es stürmt und regnet. Heute möchte viel lieber mit dir paddeln, vielleicht noch Feuer machen. Klingt gut, kommst du erst mal zu mir. Mmm.

L öffnet ihren Arm, ich lege mich hinein. Durch schüttere Blätter schaue ich in den Himmel, Saharastaub und Waldbrandasche färben ihn.

L, was liegt dir quer im Magen? Die Anschlußheilbehandlung. Warum? Du weisst ja, sechs Wochen Reha letztes Jahr, OP und so in diesem, ich habe keine Lust auf erneute Internierung. Hast du mal an ambulant gedacht? Mmm, zuhause brauch ich anderthalb Stunden mit Öffis durch die Stadt, für einen Weg. Mmm, hast du mal an das Marmeladenbad gedacht? Wo T damals ambulant? Mmm. Nee. Da könnte ich mit dem Rad hinfahren, von hier. Frage doch mal. Erträgst du mich noch mal, für Wochen? Mmm. L küsst meine Stirn.

L, ich nehme ihre Hand, mein Daumen streichelt; tief hole ich Luft, ich habe dir das nie gewünscht … Was?  Den Krebs. Mmm. Ich lege meine Wange an ihre flache Seite. Ich will dich nicht verarschen, manches, was wir in letzter Zeit gelebt, hat meinen Sommer hell gemacht. Mmm. Was?

Mit euch habe ich gelernt, dass ich noch lieben kann, ich hatte dran gezweifelt. L nimmt meine Hand, ihr Daumen streichelt. Mit dir, mit euch  und auch allein bin ich wieder gerne in diesem Garten, war nicht allein, als ich wieder darin übte, was ich schon gerne tat, vor meiner Zeit mit T, was mir mit ihr so vertraut. Ich habe Rotz und Wasser geheult, bin nach dem zweiten Satz aus dem Konzert gegangen.

Fest halten wir uns und lange.

L, du glühst unter meiner Wange. Mmm. Ich habe vergessen, Quark zu kaufen und dann lieber gemalt. Ich habe welchen mitgebracht, um die Paste für deinen Gaumen zu verlängern. Paste? Mmm. Ich habe Fladenbrot, Paste, Schafskäse, Krautsalat, Oliven  mitgebracht, ich wollte dich überraschen mit einem Picknickangebot. Klingt gut.

Wir stehen auf, trinken Kaffee, ich wasche ab, L quarkt, wir tragen das Boot zum Fluss, auf dem wir weiter reden.

Wir essen am Feuer.

Mit geputzten Zähnen stehen wir im Flur. K, mir tut es gut, dass Eifersucht zwischen uns allen noch gesucht. Mir auch. Weisst du was für mich am Schlimmsten in der Strahlenpraxis? Nee. Das Wartezimmer. Wieso? Heute sass da ein besorgter Ehemann, sie trugen gleiche Ringe, er wollte, dass sie Grünkohl kocht. Sie meinte, er sollte doch Essen gehen, sie müsse bei dem Gedanken an den Geruch, schon würgen. Er verstand es nicht.

Wir umarmen uns.

 

 

 

 

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