Herbsturm

Den Keller haben wir getrocknet mit dem Nachbarn. Wir sitzen in der Küche bei Tee und Apfelkuchen.  Regen klatscht an die Scheibe, die Böhen pausen. Dachziegel fallen vom Nachbarhaus. B schaut mich an. Gehen wir fragen, ob die Hilfe brauchen. Ich nicke, wir stehen auf. L sagt, ich kann nicht mehr, B gibt ihr einen Kuss.

Im Treppenhaus der Nachbar. Kommen sie mit? Das sind doch nur Asylanten, ich kniffel jetzt mit meiner Frau. Entspannen sie sich, sagt B mit messerscharfer Zunge, Menschen sind es, wie sie und ich.

Wir klingeln, bieten Hilfe an, ein Mädchen übersetzt der Mutter. Wir stellen uns vor. A bringt uns auf den Boden. Mit Mülltüten und Klebeband versuchen zwei Männer und vier Jugendliche das Wasser abzuhalten. Y, die große Tochter übersetzt. Wir holen Leiter, Planen, Band, Dachlatten, Schrauben, Säge, … Das Wasser wird gebannt, wir sollen zum Essen bleiben.

Erst gibt es Tee, wir reden Englisch. Warum wir sowas können, wir haben das gelernt. Ihr seit doch Frauen. Ja und? Schweigen. Wir sind Palästinenser. Wo kommt ihr her?  Mutter und Schwestern servieren, gehen. Wir sollen beginnen. Und die anderen? Sie essen, wenn wir fertig sind. Wir schauen uns an und stehen auf. Warum seit ihr so unhöflich? Wir setzen uns. Wir wären unhöflich, wenn wir ohne die Gastgeberin begännen. Diskussionen, die wir nicht verstehen. Nehmt euch, es ist mir eine Ehre. Es ist gegen die Ehre der Gastgeberin, wenn ich ohne sie esse. Wir stehen auf, gehen in den Flur.

Schmeckt euch das Essen nicht, fragt N. Wir haben noch nicht probiert. Warum? Du hast gekocht. Für uns ist es unhöflich, ohne dich zu essen. N lächelt. Die Töchter holen Teller und Besteck. Wir setzen uns. Wer fängt an? Der Älteste; ein Gast. B ist die Älteste und Gast. M erzählt, dass sie aus Damaskus kommen und ist so jung; mein Sohn könnte er sein. Er war noch nie in Palästina, hat keinen Pass, darf da nicht hin. Ob ich das darf? Ja. Ich habe einen deutschen Pass, damit darf ich viel. Da muss ich hin, das ist mein Land. Und wie, ohne Pass? Den kriege ich bald von hier. Y verdreht die Augen. Wir haben eine Duldung bis Mai, sagt Y auf Deutsch. Was willst du da? Ich bring dann alle Juden um. B kriegt rote Flecken. Ich sehe den Stern an ihrem Hals. Unter dem Tisch treffen sich unsere Beine. M geht raus.

Tief hole ich Luft. Ich sehe sie vor mir die beiden alten Männer beim Schach an einem Sommerabend, sehe ihre blauen Nummern, rieche ihre Pfeifen. Über den Brillenrand sehe ich B im Profil, so ähnlich ihrem Vater.

Papa spinnt, sagt A, der kann nur Haare schneiden. Lesen kann der nicht, nur Mama. A setzt sich auf den Schoss von B und nimmt den Stern. Du, bist du eine Lehrerin? Nein. Wieso? Zuhause war ich nicht in der Schule wegen Geld. M war eine Nachbarin, die hatte auch so eine Kette. Mmm. M hat mir gezeigt, wie lesen geht. Die ist jetzt in Kanada und das ist ganz weit weg.

Wir trinken Tee, tragen zurück, auch des Nachbarn Leiter. Mögt ihr einen Kaffee? Mmm. L sitzt an der Nähmaschine. Gespräche, Apfelkuchen, Kaffee, Saft zu fünft. L küsst B. Y gebe ich den Wahrig mit. Ja, ihr dürft Klingeln.

Wir waschen ab, schreiben einen Einkaufszettel. Die beiden gehen. Ich lege mich aufs Sofa.

 

 

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