Feiern und Fieber

Am letzten Samstag nach dem G*ttesdienst habe ich  gefeiert und getanzt, zuerst im Kreis, am Ende Standard. W, der alte Herr im dreigeteilten Anzug forderte, mich wieder auf, mit ausgestorbenen Manieren, einem Handkuss. Mit ihnen tanze ich so gern, ich auch mit ihnen. Mein Ernst, auch wenn dank seiner Länge, sein Beckenknochen in meinen Rippen rührt. Galant geleitet er mich zu einem Stuhl, fragte, welches Getränk er mir bringen dürfe. Er könnte mein Vater sein. Alle Jahre wieder dieser kleine Flirt, der ihn strahlen lässt.

Darf ich bitten, L verneigt sich, Samba, Foxtrott, K, machen wir Pause. Gern, mir dröhnt der Schädel, kratzt der Hals, ich kriege ne Erkältung. Nimmst du mein Rad, E fährt mich nach Hause. Mmm. Tanzen wir noch einen Walzer? Mit dir immer, den nächsten habe ich W versprochen. B setzt sich zu uns mit einer Wasserflasche.

Ich radle frierend durch die Nacht, vorbei auch an dem Haus, indem die Großtante gewohnt.

Trinkst du noch ein Glas Wein mit mir, fragt E. Nee, hast du eine Wärmflasche? Mit Wein und Tee stoßen wir an. E, so wie ich mich fühle, ist morgen Abend mein Bett besser als die Dreigroschenoper. Schade, wenn die Karte verfällt. Vielleicht hast du eine Idee. Habe ich, deinen Kavalier.

Mit geputzten Zähnen sinke ich ins Gästebett, friere, schwitze, schlafe. E, darf ich deinen Bademantel? Klar. Magst du Gemüsesuppe? Mmm, erstmal Wasser. Wir löffeln. W fühlt sich sehr geehrt, seine Genesungsgrüße soll ich dir ausrichten. Danke. K, was mache ich heute Abend? Wieso? In der Pause wird er, der Kavalier uns ein Getränk spendieren wollen. Das traue ich ihm zu, was ist dein Problem? Wie soll ich das annehmen, er lebt doch von Grundsicherung.  Vielleicht gerade deshalb? Du weißt, wie ich, von dem Unfall, bei dem seine Kinder in neu gebrauchten  Mercedes, dem Symbol des reichen Westens starben. Ein Jahr später starb seine Frau. Wen hat er noch, dem er etwas schenken kann?

Mit Tee gehe ich zu Bett, schlafe ein. Als E aus dem Theater kommt, dräumle  ich bei einem Podcast.

Montag schaffe ich es mit Öffis nicht, E fährt mich zu ihrem Hausarzt. Er schreibt mich für die Woche krank. Neue Diagnose, ich rutsche nicht ins Krankengeld. I schimpft am Telefon, er muss da durch. E danke ich und bette mich, schlafe viel in dieser Woche, zwischendurch sage ich ab, und träume schräg: Meine Brille zerschellt auf den Stufen zu L’s Atelier, T gebe ich Cellounterricht, Sex mit C, einem einstigen Klassenkameraden, …

Ob ich Heiligabend am Familientisch? Die Eltern wissen Bescheid.

Der Schädel dröhnt und mir ist kalt. E ruft zur Hühnersuppe.

 

 

 

 

 

 

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