Familientreffen

Wie jedes Jahr weilen Vaters Schwester und der Onkel bei den Eltern, der Onkel hat Klassentreffen. Mich ruft die Cousine an. Sehen wir uns am Wochenende? Wieso? Die Tante hat uns eingeladen, zum Familienessen in deiner Stadt. Interessant, du, mich noch nicht. Wieder? Auch von meinem Bruder habe ich davon noch nichts gehört, auch von […]

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Abschlusskonzert

Die Cantilene. Boah. Und jetzt die Sept, wie klar und zart. Die Hitze wallt, Schweiss trieft durch das frisch gebügelte Feierabendleinen. Musik wird Hintergrund. Ich greife neben mich und schrecke auf. Entschuldigung, murmele ich dem Nachbarn zu, den ich versehentlich berührt, in den zwei Schlägen Pause. T, gefühlt habe ich dich und nicht. Ich bin […]

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Zärtlich

K, höre ich U rufen, auf der Brücke, halt an. Wir treffen uns am Zebrastreifen. Warum bist du nicht im Büro? Bist du krank? Ich bin heute morgen ganz früh aufgewacht und konnte nicht mehr schlafen. Ich war schon um halb sieben dort, jetzt habe ich Feierabend. Und du? Hast du nicht Musik AG? Fällt […]

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Dunkelkammer

Damals, als ich jung war, verbrachte ich viel Zeit in Dunkelkammern. In einer, die ich mir mit anderen teilte, mit ihnen lernte, in meiner eigenen im Bad. Manche Bilder zeigte, teilte ich hernach. Auch heute habe ich eine Dunkelkammer, sie ist tief in mir. Da ist kein rotes Licht, zuverlässig duftet es nicht nach Chemie. […]

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Busfahrt

Reich waren die Hauptstadttage. Kultur und Gespräche mit dem Couisin und seiner Frau, der altvertrauten wiedergefundenen Bekannten und auch mit S,  der das pralle Reichtumsleben sich auch gewünscht, als er nach Deutschland kam, aus seinem kriegschüttelt Land und nicht gefunden hat. Ein Haus hat er hier nicht bekommen, nur Obdach hier in dieser Stadt, die […]

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Fenster putzen

T, du warst wieder da, in der letzten Nacht, in meinem träumend Hirn. Wir lagen nackt, einander streichelnd hier im großen Bett und sprachen über dies und das und uns, vertraut. Um halb sechs bin ich aufgewacht an diesem Urlaubstag, habe Kaffee getrunken mit meiner Lieblingsschokolade. Die Pflanzen trocknen frisch geduscht in der Badewanne. Müsli […]

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Stromausfall

Können sie, es schweigt am Telefon. Schwarz der Bildschirm. Wundernd drücke ich den Lichtschalter. Nichts geschieht. Kein Strom, ich widme mich der Ablage, höre aus dem Flur kollegiale Stimmen: Und jetzt? Ich habe gerade Kaffee aufgesetzt. Mein Handy hat nur noch acht Prozent. Ob mein Kind in der Kita Mittagessen bekommt. Kopfschüttelnd drücke ich den […]

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Komm gut an, im Schlummerland

Verschwitzt erwache ich, Decke weg, ich dreh mich um, drösele ein, friere, greife nach der Decke.  Wiederholungen und irgendwann, macht mein Versuch Schlaf zu finden eine Pause. Leise stehe ich auf,  setze Wasser auf für Tee. Wo ist die Kanne. Ich mache Licht im Flur, geschlossen ist die Tür zum grossen Zimmer. Ich klopfe. Komm […]

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Löwenzahn

Ich liege in der Hängematte unter dem Apfelbaum, schlürfe Zitronenmelisse. Blüten fallen auch auf mich. Auf Druck wählt das Telefon die Basler Tante an. Sie nimmt ab, ich sage meinen Namen. Wer? KM. Warum? Macht ihr gerade Pause beim Sex? Beinahe fällt das Telefon. Wie geht es dir? Hier ist kein Löwenzahn. Magst du den […]

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Manchmal

Ich liebe, wo ich geh und stehe. Manchmal ist das schwer.  Dann sehne ich mich nach einer, mit der ich mein Leben teilen kann, auch in Küssen. Ich bin erwacht, im Sehnen, nach einer, die ich auch wenn sie schläft, küssen darf, ganz zart, ohne sie zu wecken. Nach einer, in deren Armen fraglos ich […]

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Frühstück

Mich weckt die Blase. Der Schlafsack neben mir liegt flach. Ich eile zum Klo. U’s Fahrrad ist nicht da. Blumen stehen auf dem Tisch. K, stimmt B aus der Hängematte. Du? Ich gehe auf sie zu, bleibe stehen. Sie steht umarmt mich zart. Darf ich? Probiere mal, ich sage, wenn es mir zuviel. Einen Finger […]

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Vor dem Feiertag

Zwei neue Gesichter in der Frauensprachlerngruppe. F aus dem Irak, A aus Armenien. G hat Kuchen mitgebracht.

Schon bei der Vorstellungsrunde hakt die Verständigung. Ich kenne diese Aufwärmphase. T fängt zu singen an. Mit „Bruder Jakob“ steige ich nach den ersten Tönen in den Kanon ein. Wir singen, jede in ihrer Sprache. Warum kennen wir alle die Melodie? Ich weiß es nicht. Tee oder Kaffee? Ich schenke ein. G schneidet Kuchen.

Bist du geheiratet? …verheiratet. Die Frage macht die Runde. Nur ich sage nein. Deine Eltern arm? Nein. Boyfriend? Nein. Warum? Ich möchte das nicht. Gut ohne Mann. Du frei. Ich nicke. Du Bruder hast? Ich habe einen Bruder? Kein Schwester? Keine … Nein . Mir Vater geschossen tot. Nein. Meine Eltern leben noch. Wo? Hier, in dieser Stadt.

Wir sprechen von unseren Eltern. Ich bin die Älteste, nur meine leben. Das sie mit Anfang achtzig noch niemand Pflegen muss, löst Erstaunen aus.

Kommen T und G noch, frage ich M. Abschiebung. Warum? Ihr Mann nix sieht. Hier gut. Ihre Sohn, sie macht eine Schießbewegung. Aserbeidschan. Tot. Warum sie muss?

Ich weiss es nicht. Ich weiss nicht, was sie beim Bamf gesagt hat, warum sie nach Deutschland gekommen ist.

M kramt in der Tasche, zeigt mir einen Brief. Nächste Woche, muss sie ausreisen. Mir ist das neu. Junge darf. Du hast mir gesagt, er hat  eine Duldung bis Februar. Krank. Dialysis, beide Fäuste schiebt sie in den Rücken.

Schule? Dein Sohn? Krank. F zeigt klein oder groß. Mann, sechsundzwanzig, Ich koche ihn. Kann er das nicht, frage ich. Mann. Nix kochen muss. Warum? Mann. Sie zeigt mir eine ärtztliche Verordnung für Reha-Schwimmen für den Sohn, auch eine Liste, wo mensch das kann. Sohn braucht Sauna. Geht wo?  Das günstigste Saunaangebot, das ich kenne in dieser Stadt, kostet 15 EUR.  Wo er bekommt? Er  braucht. Wenn ich in die Sauna gehe, muss ich dafür bezahlen,

Männer kochen überall auf der Welt, behaupte ich. Sprachen, die ich nicht verstehe sind im Raum, Widersprüche folgen auf Deutsch, auch übersetzt. Ich widerspreche: In vielen Ländern ist Krieg. Die meisten Kämpfenden sind Männer. Beim Militär kochen sie auch. Hat frau mich verstanden?

Sprachen, ich verstehe nichts. Lächeln in allen Gesichtern. Bis nächste Woche.

M raümt mit mir in die Spülmaschine. Du mir geben Zertifikat? Deutsch. Das kann ich nicht.

M umarmt mich. Ich sie. Du gute Frau. Ob wir uns nächste Woche sehen?

Paddelst Du mit mir, noch heute Abend, frage ich L  am Telefon. Ich glaube nicht. U ist hier wir waren gerade schwimmen. Du klingst nicht gut. Nöh, B geht  es nicht gut. Das alte Thema? Mmm. Rotz und Fieber hat sie auch. Du, reden wir später? Mmm. Soll ich noch was mitbringen? Fisch wäre gut, wir könnten grillen, auch Kartoffeln. Geht klar.

K! U springt mich an, als ich das Rad anschließe. U! Umarmen. Ich muss jetzt los, den Schlafsack holen, das Zelt haben wir aufgebaut. Ich schlafe hier. Mama hat ja gesagt. Bis gleich!

L sitzt unter dem Apfelbaum. Umarmen, müde siehst Du aus. Bin ich.  Darf ich? Gerne. Kaffee giesst sie für mich, geschäumte Milch. Danke. Manchmal ist nicht leicht ein wenig von Menschen zu erleben, die zu Hause alles verkauft haben, mit dem Wunsch hier zu leben und erkennen müssen, das das nicht geht. K, weisst du, was ich nicht verstehe? Na? Das Menschen das tun, ohne sich vorher zu informieren. Ich auch nicht. Vielleicht auch eine Bildungsfrage. M ist nur vier Jahre zur Schule gegangen, in ihrem Dorf gab es kein Internet.

Ich habe euch was mitgebracht, Stangeneis das kühlt so gut. Wir lutschen höflich. U, fährst du noch mal zum Schlachter? Warum? Wir wollen grillen, für uns habe ich Fisch mitgebracht. Den mag ich nicht, darf ich was Eingelegtes? Nickend ziehe ich die Börse, er flitzt davon.

Machst du Salat? Ich möchte allein ’ne Runde schwimmen. L nickt.

 

 

 

 

 

 

 

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Maisonntag

Jätend knie ich im Beet. K! C! Ich stehe auf, wir drehen uns. Andersrum! Ich darf den ganzen Tag hier bleiben. Mama hat das gesagt. Mmm, wir haben telefoniert. Ich habe Durst. In der Hütte ist Tee. Ich hol mir was. Du, ist L tot? Nee, wieso? Sie ist nicht da, nur ihre Jacke. Sie […]

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Im wunderschönen Monat Mai

Aus T’s Armen weckt mich die Blase. Ich friere auf dem Klo. Wasche Hände, hülle mich in den Bademantel. Es duftet nach Brötchen und Kaffee und tut weh. Im Wohnzimmer singen Cello und Flügel, das vertraute Lied. Hör ich das Lied erklingen, das einst die Liebst strich. Tränen rollen, die Brust will mir zerspringen. Ich […]

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