Geburtstagsüberraschungen

Frisch geduscht, will ich den Gürtel schnallen, ploing sagt die Schnalle und hüpft ins Schlafzimmer.
Kaffee gieße ich in einen Becher und Milch,zwei Schritte, krx. Ich halte den Henkel in der Hand und habe nasse Füße. Ich lege mich und den Boden trocken, fülle einen Becher, der keinen Henkel hat, schmiere Käsebrote, trinke dabei, schneide Falläpfel und Wurzeln, dose ein. Das Telefon, die frühe B, als erste Gratulantin. Ich bin wenig gesprächig. Zzzt, ein Ende vom Senkel, habe ich in der Hand.

Rucksack, Jacke, Fahrradgummis, ich schaue auf die Uhr und Fluche, hole vom Balkon den großen Suppentopf, öffne die Tür. Moosrosen, dunkelrot und duftend, ein voller Arm in einem abgeschnittenen Eimer, eine Karte. Ich möge mich nach einem frühen Feierabend im Garten feiern lassen schreiben L und B.

Ich freue mich und schlucke, stelle die Rosen auf den Balkon. Hole vom Bäcker die bestellten Brote, radle vor mich in, denke an meine Mutter, die mir solange ich bei den Eltern wohnte alljährlich einen wachsenden Strauß auf den Geburtstagstisch gestellt; an T, die diesen Brauch viel später aufgenommen. Meine Augen schwimmen, ich halte an, trockne auch die Brille.

Das Fahrrad schließe ich, trage den Tropf in die Küche, froh bin ich über den leeren Flur. Trete ins Büro, was auch bei meiner Kürze nicht einfach ist. Ein Raummobile aus sauren Schnullern, Sonnenblumen auf dem Schreibtisch.

K, lass dich umarmen, sagt I, tritt durch die offne
Tür. Es bimmelt das Telefon. Lass sagt I, nimmt mich in den Arm, gratuliert. K, mit dir kann ich fast so gut streiten, wie mit meiner Frau, aber anders. Wir lachen, er greift aus seiner Innentasche, einen Umschlag in meiner Lieblingsfarbe, soll ich dir von ihr geben.

Ich hänge die Jacke in den Schrank, fahre den Rechner hoch, blicke in den Kalender und in den Maileingang. Es klopft, darf ich? T, komm rein. Glückwunschumarmen. Für dich, sie reicht mir einen Beutel mit Birnenschnitzen und eine Gartenrose, trinkt den Kaffeebecher leer. Ich muss zur nächsten Stunde.

Ich nehme einen Ordner, rufe zurück, nasche Käsebrot und Schnuller, auch fruchtiges. Andere Koleg*nnen gratulieren von herzlich bis formell.

Ich gehe in die Küche, drehe am Herd, decke den Tisch, das Telefon habe ich mitgenommen. Einen Moment, ich bin gerade nicht am Platz, ich eile durch den Flur, so, mmh, ist gestern in die Post. Ich schneide Brot.

Es füllt sich die Küche. Was gibt es denn? Suppe. Wieder ohne Fleisch? Klar. Was tust du mir an? Ne Suppe, die alle essen können. Ist das helal, fragt die Praktikantin. Es ist kein Fleisch darin. Gut.

Jede* nimmt, wir sitzen am Tisch. I gibt den Grüßaugust, K grinst mich an, er hat zwei Tage später, jahrelang haben wir getauscht. I reicht den Umschlag, ich schaue innerlich gähnend hinein, bin überrascht: Endlich mal Baumarkt, nicht Parfümerie.

Wir reden über dies und das, auch Löffelstille. K, gibst du mir das Rezept? Habe ich nicht, kann nur sagen, was drin ist. Was? Zwiebeln, Hokaido, Lauch, Kartoffeln, Wurzeln, Spinat, Petersilienwurzeln, Kokosmilch, Knobi, Ingwer, Chilli, Koriander, Salz und Pfeffer.

Feierst du heute? Ich wollte nicht. Ich werde von Freund*nnen gefeiert. Wie? Heute morgen standen Rosen vor der Tür, ich soll in den Garten kommen. Du mit deinen Weibern. D, kann es sein, dass du neidisch bist? Ich habe doch eine richtige Familie. Was meinst du damit? Das Lieben enden, kann geschehen. Meinst du, deine Kinder? Du klagst doch immer wieder, dass du Unterhalt zahlen musst. Mit rotem Kopf entschwindet er aus dem Raum.

Die Tafelrunde löst sich auf. Ich fülle Mülleimer und Spülmaschine, wische den Tisch, schaue auf die Uhr. T rufe ich an, nimmst du den Rest mit? Mein Eisfach ist voll. Gerne, dann muss ich heute nicht kochen.

Ich setze mich an den Rechner. Es klopft. I. K, hast du ein Weilchen? Gleich, ich komme dann in dein Büro? Bis dann. Ich gebe den Auftrag ein.

I, was ist Dein Begehr? Mmm, magst du heute bald gehen? Willst du mich loswerden? Im Gegenteil. Nur heute, du willst dich feiern lassen. Ja, ich freue mich. K? Mmm. Mit den zukünftigen Kollegen werden wir eine Gleichstellungsbeauftragte brauchen, kannst du dir das vorstellen? Warum? Ich glaube du hast nen weiten Blick und nix gegen Männer, lange habe ich das geglaubt. I, darüber muss ich ich ein paar Nächte schlafen. Ok, hau ab.

Ich fahre den Rechner runter. Nachdenklich und vorfreudig radle ich gen Garten.

Ein Gedanke zu “Geburtstagsüberraschungen

  1. Ich wünsche ebenfalls alles Gute zum Geburtstag! Schön, wenn feiern so ist! Von Menschen umgeben. Auch wenn die, die man liebte, nicht dabei sind mehr.

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