Flitschen wir nachher?

Die Blase drückt, ich dreh mich noch mal um, genieße den Duft von Laub, Äpfeln und Nebel. U’s Ellenbogen landet in Blasennähe, was mich aus dem Schlafsack treibt. Wie machen Kinder das, frage ich auf dem Weg zum Klo, dass sie im Schlaf zu Tausendfüßlern werden. Es wird hell.

Ich nehme den Bademantel, Brille, gehe zum Fluss, genieße das feuchte Gras zu spüren mit den Füßen. Ich schwimme, sehe Enten, Kormorane, Haubentaucher, lausche dem Vogelsang. Ich gehe zur Hütte, setze Wasser auf, ziehe mich an, zähle Kaffeelöffel.

K! L! Umarmen. Riecht gut. Mmm. Du warst schon Schwimmen, kommst du noch mal mit? Milch habe ich mitgebracht. Du bist ein Schatz, ich wollte gerade los. Trinken wir erst Kaffee? Gern. Guck mal wie zärtlich die Sonne durch den Nebel lächelt. Mmm. Vor einem Jahr habe ich sowas nicht gesehen. Mmm, du, ich freue mich, das wir das jetzt wieder zusammen können, du weißt ja, wie blind ich lange war. Mmm. Beredtes Schweigen. L, du siehst müde aus. Habe nicht gut geschlafen. Hatte gestern Abend noch ne Mail wegen der Ausstellung hier. Ward ihr nicht schon beim Termin? Mmm, sie schätzen meine Sachen, aber aus terminlichen Gründen … Ich habe schon Brötchen gebacken und möchte mit dir an den Strand radeln. Gerne, schwimmen wir?

Wir gehen zum Steg. Drehen ne Runde. Frühstücken unter dem Apfelbaum. Ihr Sabbeltanten habt mich geweckt, sagt U, ich wollte ausschlafen, weil doch Ferien sind. Kommst du mit an den Strand? Wie? Wir wollen da mit den Rädern hin. Euer Ernst? Ich muss erst mal pullern. Ich komme wieder mit Kakao.

N hat mir geschrieben, sie will mit mir Fußball spielen. Was soll ich jetzt tun? Entscheide du, du kannst sie auch fragen, ob sie mitkommt. Mmm, machen wie ein Picknick? Ja. Cool, ich frage sie. Was brauchen wir. Ich hole Zettel und Stift aus der Hütte.

Sie ist dabei, bringt Eier mit, Sonnencreme, Tee, Würstchen und Bananen. Gibst du mir die Salami, bitte? Danke, Äpfel haben wir, Brötchen, auch. L, du hast echt viel gebacken. Ich muss jetzt Mama anrufen.

L, ich fahre einkaufen, was hältst du von Nudelsalat? Mit Schafskäse und Oliven. Prima. Ich bringe auch eine Zitrone mit. Hast du Flickzeug? Auch Apfelkuchen und Butter. Lecker. Ich kaufe noch Käse und Salami. Bringst du für uns auch Bismarckhering mit, einen Kühlakku habe ich vorhin aus dem Eis genommen. L setzt Nudelwasser auf. Ich esse einen Apfel

Mama hat ja gesagt. Iso habe ich schon eingepackt, unsere Wasserflaschen auch, meine Badehose und das grüne Handtuch. U, willst du mal was essen, gleich. Auf dem Zettel fehlt noch Gurke, ich schreibe sie dazu.

Es glockt mein Telefon. K, sagt T, N ist auf dem Weg. Ich weiß noch nicht recht, wie es ihr heute geht und habe vergessen, ihr Geld mitzugeben für ihr Rad, falls sie den Rückweg nicht schafft, leihst du ihr welches? T, das ist doch klar, Sagst du, Ja. In ihrer neuen Schule wird auch nicht verstanden, dass es Tage gibt, an denen sie rumtobt und andere an denen ihr die Finger so weh tun, dass sie nicht schreiben kann. Mmm, du ich hatte dank meiner Mutter schon viel über Rheuma gelernt, bevor deine Tochter in mein Leben kam. Du, die Gören haben schon verabredet, das N mit U und mir heute im Laub übernachtet, ist das für dich oK? Ich würde auch gerne. Warum denn nicht? Ich texte mit meiner Tochter.

Ich schwinge mich auf’s Rad. Bitte bringe Brot mit schreibt L, als ich beim Schlachter stehe.

Hallo N. K ich will dich knuddeln, darf ich das? Komm. Der Salat ist fertig, können wir los? U, ich möchte noch meinen Badeanzug einpacken. Den brauchst du nicht, wir fahren zum FKK-Strand. Das aus deinem Mund? Ja, N findet das normal, wie ihr. Euch Große kenne ich auch nackt, aber Mama nicht, die versteckt sich. Vielleicht kann ich dann auch sehen, ob andere Jungs schon Haare haben. Ich nehme ihn trotzdem mit, wenn du das nicht magst, können wir woanders hingehen. OK.

K, ich habe deine Packtaschen gefüllt, der Akku ist in deiner Lenkertasche. Ich packe um. Es fällt das Gartentor, wir schwingen uns auf die Räder.

K, fragt U neben mir, werfen wir auch wieder Steine? Vielleicht. Kommst du noch immer weiter, als ich? Wir werden sehen. Manchmal guckst du, als ob du wütig bist. Das kann gut sein. Wegen mir? Nein. Warum? Manchmal bin ich noch wütend auf T. Warum? Weil sie gestorben ist. Sie kann doch nichts dafür. Da hast du recht. Als mein Opa gestorben ist, war ich so sauer, ich wollte den Kuschelelch schlachten den er mir geschenkt. Weißt du, warum? Ich wollte noch viel mit ihm erleben, auch wenn er fast immer besoffen war. Ich habe mir gewünscht, mit ihm auch wieder Gutes zu erleben. Das kann ich verstehen.

Flitschen wir nachher? Warum nicht. Vielleicht kann ich dich jetzt schlagen, ich habe geübt. L kann das auch gut, N mag das nicht. T schaffte achtzehn, die war ein Crack.

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