Unerwartet

Die Sonne hat mich angelächelt, den ganzen Tag, durchs Fenster das Papier belächelt, vor dem ich saß, den Bildschirm gekitzelt, bis ich dank seines Kicherns x von u nicht unterscheiden konnte.

Ich schaue nach der Uhr. K, willst du bald in den Fahrradladen, weil dein Ersatzrad schwächelt? Ich tippe noch zweil Mails, fahre den Rechner runter, stelle den Becher in die Spülmaschine, fülle die Wasserflasche, leihe zwei Grubenhandtücher aus dem Kollegenschrank.

Die Feierabendtür fällt in ihr Schloss.

Ich singe auf dem Rad, halte an. Ein kleines Fladenbrot, Auberginenpaste, Tomate, Krautsalat. Schließe das Rad am Bahnhof an einen Pfosten.

Voll ist der Zug. Ich finde fragend einen Platz auf dem ein Rucksack saß. Sein Träger murrt. Die Nadeln nehme ich aus der Seitentasche und stricke an der rosa Socke für das Nichtenkind. Auch noch das, raunt der Nachbar. Ich sehe ihr freudstaunend Gesicht, wenn sie die Socken finden wird im Adventskalender.

Die alte Frau gegenüber lächelt mich an. Das habe ich früher so gern gemacht, auch für meine Enkel und für Hans. Ich schaue auf, sehe auch ihre Hände. Rheuma denke ich. Wir kommen ins Gespräch, Maschen wachsen nebenbei. Stricken Sie auch für ihren Mann? Die Socken, die ich für meine Frau gestrickt, wärmen im Winter meine Füße, sie braucht keine mehr. Sind sie geschieden? Nein, sie lebt nicht mehr. Schweigen. Mmm, meine Enkelin hat mich eingeladen zu ihrer Hochzeit, ich weiß nicht, ob ich fahren soll. Warum? Sie heiratet eine Frau, ich weiß nicht, ob das richtig ist. Lieben Sie ihre Ihre Enkelin? Und wie, die beiden sind prächtig. Ohne sie hätte ich meinem Umzug nicht geschafft, aber meine Tochter …, die will das nicht. Ich würde mit Ihnen gerne weiter sprechen, muss gleich raus. Das können wir, Ich schreibe meine Nummer auf einen Bon und reiche, sie steht auf.

Ich beiße einen Herbstprinzen, dann stehe ich auf, steige aus. Es duftet das Meer.

Am Strand ziehe ich die Schuhe aus, krempele die Hosenbeine. Gehe, wo Wasser um meine Füße schwappt.

Celloklang, Bach, ich folge meinen Ohren, höre Üben, es wird nachgestimmt. Von weitem sehe einen Menschen in Shirt und Jeans, dessen Farbe mit dem Holz verschwimmt, freue mich an diesem Bild, nähere mich lauschschauend, langsam, zärtlich. Er hat mich erblickt, lächelt. Vorsichtig setzte ich Fuß vor Fuß, lächele zurück, trete auf einen Stein.

Kommen Sie, Sie mögen Musik. Ich gehe auf ihn zu. Wir kommen ins Gespräch, stellen uns einander vor. Ich übe hier gerne sagt H, du hast mich nicht nicht gefragt, ob das ein Konzert und wo mein Hut, wie die Meißten, die vorüberkommen. Ich hörte Üben. Bist du auch Musikerin? Nein. Mir ist das vertraut, meine Liebste hat so oft an den Suiten geübt.

Wir setzen und, reden, teilen Essen. Ich muss, sagt er, steht auf, mein Kind will ich noch sehen.

Ich kehre um. Die Sonne sinkt, warm ist der Sand an meinen Füßen. Ich halte an, entkleide mich und gehe Schwimmen.

T, ich denk an dich im Zug, ohne Cello sind wir nie gereist. Bei Fahrradtouren hattest du im Hänger immer die Zigarrenkiste dabei, dein Drittinstrument und erstes Volles. In meiner Gegenwart hast du nie am Strand gespielt.

Ich stricke im Zug und danke T für das, was war.

Zuhause warten Äpfel und Bügelbrett.

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