Vorfreude im Herbst

Es pfeift der Sturm, nach langer Pause, kühlt mein Ohr, die Hitze wallt, ich dreh mich hin und her, Decke, weg mit dir.

T, als es dir ähnlich ging, fanden wir uns ab und an zum zusammen Übernachten. Vor Ende solange du noch sprachst, längst fiebertest, war das egal. Wir genossen jede Kuschelnacht unter Decken, auch wenn wir trieften. Ab und an liebsten wir uns köstlich, in zärtlicher Gelassenheit.

Ich drösele noch mal weg. Quellend Blase weckt. Ich gehe wälzte mich, Schlaf finde ich nicht und stehe auf,lange vor dem Wecker.

Morgenritual mit Dusche und Kaffeebecher, kalt ist es geworden. Die Heizung fülle ich mit Wasser, stelle sie an, suche die Regenhose, schmiere Brote, packe Äpfel, Suppe ein, den letzten Klops und radle ins Büro.

Ein Ast stürzt hinter mir.

Noch kein Licht. Ich drücke die Schalter, lege erst die nassen Sachen, dann Papier. Fülle die Kaffeemaschine, fahre den Rechner hoch, schreibe den ersten Brief. Es schrillt das Telefon. Ich habe ein Problem sagt eine dunkle Stimme. Ja, er steht. Wie schön für Sie. Können Sie? Was? Mir helfen. Haben sie Hände? Was für eine Frage. Nutzen sie Sie. Wozu? Falls Sie Ihre Erektion beenden möchten. Dafür sind wir nicht zuständig. Ihnen wünsche ich einen wunderbaren Tag. Ich lege auf, nehme einen Schluck aus der Wasserflasche, rechne ab ein Seminar, so halb.

K, du bist schon da, es duftet nach Kaffee. Ich hole mir einen. Bringst du mir einen mit? Warum? Vielleicht bist du ja ein Kavalier? Bitte. Danke. Milch? Ich trinke schwarz, weiß ich, K, wir arbeiten seit zehn Jahren zusammen. Ich stehe auf. Ich hole sie dir.

Ich tippe in der Datenbank. Bitte. Danke.
K, das Seminar, der Kunde wollte keine Verpflegungspauschale. Das Formular für die Einzelabrechnung habe ich in die Mappe gelegt. Leer habe ich es zurück bekommen, es stehen noch Flaschen auf dem Tisch, hast du was vergessen? Sowas fragen nur Bürotucken, ich bin Referent. Ist das dein Ernst? Vor dem Unterricht muss ich noch kopieren.

I tritt ein im Mantel und mit Becher. Moin, was ist hier los? K steht auf dem Parkplatz, schimpft auf dich. Ich habe auf die individuelle Verpflegungsabrechnung angesprochen, ohne die ich nicht abrechnen kann. Du musst ihn verstehen, seine Frau … Das muss ich nicht, meine ging zwei Monate zuvor, aus andern Gründen. I geht.

Daten tippe ich ich Banken und tue anderes, was mensch im Büro so macht. Grauviolett sehe ich den Himmel,längst leuchten wieder Neonleuchten. Ich tippe.

Es klopft. Ja. I. Hast du Zeit zum reden? Mmm. Ich hole mir nen Tee, du auch? Fenchel, bitte. Danke, riecht gut. K, du musst ihm verzeihen. Was? Er hat sich an seine Arbeitsanweisungen zu halten wie ich. „Bürotucken“ geht gar nicht. Wer hat sich zu entschuldigen? Wie soll ich so die Rechnung stellen?

Schreibtischalltag, Mittagspause: Suppe löffle ich mit T. Meine Tochter sitzt an einem Referat über queere Menschen, darf sie dich was fragen? Ja. Du, ich freue mich so auf die Ausflugstage zu Freundin und Cousinenfamilie. Warum? Da bin ich einfach K, das Nichtenkind darf mich Alles fragen. Ich höre noch ihre Stimme bei der Trauerfeier und deine Antwort. Wie? Ich kann mich nicht erinnern. Mama, warum weint K? Weil ich mit T nicht mehr reden und kuscheln kann. Die Stille danach im Kirchenschiff.

Wir schauen auf die Uhr, wollen wir? Naja. Wir machen uns ans Werk.

Sturm pfeift mir um die Ohren auf dem Nachauseweg. Ich danke der Regenhose für trockene Gebeine und bedenke, was ich in den Rucksack packe. Die rosa Nichtensocken warten auf dem Küchentisch.

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