Das kann ich ihm nicht sagen

Danke B, war schön, sage ich im Café.  K, du kommst nicht mehr mit zu mir? Ich muss, U geht Montag auf Klassenfahrt, wir wollen heute noch packen.

In seinem Alter konnte ich das selbst. B, du hast mir mal erzählt, wie dabei dein Vater neben dir stand, den Gürtel in der Hand, vor Deiner ersten Klassenfahrt, flüstere ich.

K, in den letzten Jahren waren dir an meinem Geburtstag andere oft wichtiger, warum? Denk mal drüber nach. Komm doch Dienstag zu einem  warmen Abendessen. Ich habe meinen Kalender nicht dabei. Rufe mich an. Mmm, Umarmen.

C treffe ich wieder am Fahrradständer, beide schließen wir auf. K, manches habe ich mitbekommen, alsich mich verabschieden wollte. Wir gehen, schiebend, K, ich stehe nicht auf Tratsch, weißt du was mich wundert? Nöh? Von Jahr zu Jahr erlebe ich B als eine, die sich verengt, und nur noch sich sieht.  Geht mir ähnlich…

Es surrt mein Telefon? Darf ich? C nickt.

K, nimmst du unsere Karten fürs Symphoniekonzert am Montag, meine Schwiegermutter liegt im Sterben, Wie fahren morgen früh, dein Briefkasten liegt auf dem Weg. Ich wünsche dir viel Kraft.

C, sage ich davon. Hast du Lust und Zeit? Ja. Weisst du was es gibt? Noch nicht. K, ich frage meine Liebste, sie hat frei, vielleicht und wenn du magst, essen wir bei uns, vielleicht und wenn es noch Karten gibt, kommt sie mit.

Die Ecke, es trennen sich die Wege. Umarmen. Ich rufe dich morgen an.

Ich halte am Supermarkt. Studentenfutter, Milch, Kaugummi, Gurken, Stapelchips. Weiter gehts zum Dromarkt: U Deo, steht auf meinem Zettel, Soda, Seife, Zahnpasta, Fruchtriegel und Popapier … Beim Schlachter ist Kotelett im Angebot.

K, ich habe schon angefangen, guckst du mal? Gleich, ich muß erst mal auf’s Klo.

Sieht gut aus. Hier ist der Zettel, ich habe Haken gemacht. Hast du an mein Deo gedacht? Ich nicke. Packst du meinen Rucksack aus? Ich brauche eine Pause.

Ich fülle ein großes Glas mit Wasser, rauche auf dem Balkon und schaue in die Wolken.

Es klopft. K, Fleisch ist gut, aber warum hast du Kaugummi gekauft, du magst die Sorte nicht? Ich kenne einen Knaben, der bald auf eine Insel fährt und der das gerne kaut. Du meinst mich, cool. Faust. Auch die Chips? Ich nicke, U, du Hungermonster hast nach der letzten Klassenfahrt doch gejammert…  Das war voll Fraß, Lasagne mit Bratkartoffeln und jeden Tag den gleichen Pudding, nie Obst ..,. beim Pampakiosk gab es keine Gurken, da war ich auf Entzug. Sind die andern guten Sachen auch für mich? Ich nicke. Ich packe die ein.

Schenkst du mir fünf Minuten? Joah. Ich schaue in die Wolken, die Straße rauscht.

K, ich bin fertig, guckst du?  Sieht gut aus, es fehlt noch Sonnencreme. Steht nicht auf dem Klassenzettel, hast du welche? Ich hole. U, du hast noch Platz, was hälst du von einer Fischdose und Knäckebrot? Cool, dann habe ich was, wenn die Failkochen. Von Milchreis werde ich nicht satt; ich hole das.

Deckel zu, das ist geschafft, wir trinken Tee.

K, weißt du, wann mein neues Phone kommt? Ein Umschlag mit deinem Namen liegt auf dem Küchentisch.

U  springt auf.

K, der Akku ist voll, nix geht? Sim? Meine ist abgesoffen. Weiß ich, schälst du Kartoffeln? Ich will chillen. Ich gehe rüber und kaufe eine Karte. Das muß doch Mama machen. Wir haben das besprochen. Cool, der Tarif hat mehr Datenvolumen. K, zisch ab, ich koche. Ich ziehe Schuhe an.

K, Mama habe ich meine neue Nummer geschrieben mit deinem Phone, deckst du den Tisch. Gleich, erst hänge ich die Wäsche auf.

Wir essen. Lecker sage ich. Finde ich auch, früher kannte ich Erbsen und Wurzeln nur als Dosenfutter. K, machen wir morgen ein fettes Sonntagsfrühstück?Brötchen und Rührei mit Tomaten? Warum nicht.

Du, ich war heute bei Mama, die ist immer traurig, wenn ich nicht da bin. Weiß ich. Findest du das auch doof? Nöh, Was machst du dann? Ich werde chillen. Wie? Du? Montag gehe ich ins Konzert und dann mal sehen, ich werde mehr lesen, mich mit Freunden treffen , vielleicht gehe ich auch mal früh zu Bett. Störe ich dich bei sowas? Nein, mit dir ist es anders und wunderbar.

K, wenn ich jetzt abwasche, registrierst du dann die Karte? Mache ich sofort, du hast gekocht, ich bin dran. Cool, ich speichere dann von deinem Phone unsere Nummern. Jetzt rufe ich damit Mama an, ich nicke.

Ich wasche ab, höre die Tagesschau. Das Festnetz. K, deine Mama. Ich trockne meine Hände.

Tochti, wie geht es dir? Mutti, du klingst nicht gut. Nee, dein Vater hörte heute morgen gegen sechs ein Geräusch und dachte, die Nachbarin ist wieder gestürtzt, du kanntest sie ja auch.  Nachbarschaftshilfe lehnte sie ab. Warum sprichst du in der Vergangenheit? Sie ist heute morgen aus  dem Fenster auf die Kellertreppe gesprungen.  Äh, wie?  Gegen Sieben hat mich ihre Strumpffrau aus dem Bett geklingelt, weil ihr nicht geöffnet wurde. Wir haben keinen Schlüssel und wissen auch Niemanden außer dem Sohn. Sie griff zum Telefon, dann kam das ganze Blaulichtaufgebot, das wir früher auch bestellt. Am Nachmittag saßen wir hier ratlos, redend, tranken Kaffee. Ein Nachbar, das Auto ist in der Inspektion, zur wollte mit dem Rad  zur Arbeit, er hat sie gesehen und kam bleich nach oben, sagt seine Frau.

Soll ich kommen? Laß mal, mein Mann kärchert gerade die Treppe. Warum? Weil hier auch Kinder spielen, hat er gesagt, vielleicht muß er auch etwas tun.  Wir treffen uns um neun zum Essen, die Nachbarn fasten doch.

Ich habe das gehöhrt. K, hat dir schon mal jemand gesagt, daß er sich umbringen will? Ich schüttele den Kopf.

Seine Mutter hat das vor, wenn er groß ist. Das kann ich ihm nicht sagen.

 

 

 

 

 

 

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5 Gedanken zu “Das kann ich ihm nicht sagen

  1. Ach du je…. Diese Gedanken….und dann die Menschen ,die sich selbst im Mittelpunkt sehen. Wie geht man damit um, wenn doch um einen herum soviel mehr Traurigkeit ist und Sorge? U hat eine wundervolle Klassenfahrt verdient. Und du, liebe K., dass er dich immer als was ganz besonderes in seinem Leben im Herzen behalten wird. Solche Menschen hatte ich auch. Und die haben immer noch ihren Platz. Das macht stark im Leben. Liebe Grüße!

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    1. Ohne meine Wahlgroßmutter und ohne die Frau, die in meiner Jugend meine geistige Mutter war, wäre ich nicht die, die ich bin. Für die emotionale Blindheit anderer bin ich nicht zuständig. Die se Freundschaft ist recht abgekühlt, in den letzten Jahren, seit sie es nicht verstanden, das ich zu ihrem Geburtstagspicknick nichts mitgebracht hatte und nur ein Stündchen blieb, und dann ins Hospitz radelte.
      Wie ich damit umgehe? Ich freue mich an dem , was auch noch ist. War heute im Garten, die anderen kamen nach und nach. Die ersten „eigenen“ Radieschen, ein Festschaus mit Butterbrot. U liess heute

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