Wir ziehen Schuhe an

Eine Woche wolten die alten Freundinnen mit ihrem Wohnmobil in der nicht nur süßen Marzipanstadt bleiben. Drei Tage habe ich mir frei genommen für Ausflüge und das was kommt.

Alles ist anders.

Eine Mail von N am Freitag, liess alle mich meine Pläne für das Wochenende ändern.

U kriegte gestern Dönergeld statt warmes Essen und fand das cool.

Ich taf mich mit den Beiden in der Stadt. Kleinrundgang mit Essen gehen, das Gewimmel war zu für H verwirrend. Sie nahmen den Bus zum Campingplatz, ich stieg auf’s Rad.

Erschüttert, wie die Demenz  in H gewachsen seit ihrer Hochzeit im Dezember, trat ich in die Pedale, kaufte Kuchen auf dem Weg. Erschüttert auch über den Umgang der Beiden miteinander.

Kaffeetrinken auf dem Campingplatz. H ist die Ruhe selbst, gute Gespräche auch darüber wie schwierig es für beide ist damit zu leben, auch weil eine sich um alles kümmern muss, die andere alleine Alltägliches nicht mehr kann. Leichter wird es nicht, das sehen beide. Ich sehe zwischen ihnen wieder vertraute Zärtlichkeit.

Ich wünsche mir Bewegung , einst radelten Beide gerne. Fahrt, sagt H, ich bleibe bei meinem vertrauten Anker.

N will zum nahen See. Wir schwingen uns auf die Räder. Auf der Decke sitzen wir und reden.

K, kommst du mit ins Wasser? Handtücher habe ich. Ist noch zu kalt. Warmduscherin! Ich gehe, tat ich doch sonst das ganze Jahr. Kann ich nicht mehr. Wenn H aufwacht und ich nicht da bin, denkt sie ich wäre weg, weil sie nur ein Klotz am Bein. Ich atme tief und nicke.

Mama, ich will baden, eine Kinderstimme; wir ziehen uns aus und schwimmen. Mir reicht eine kleine Runde.

Ich trockne mich ab. Du, warum badest du mit deiner Mama? Du kannst doch schwimmen. Sie ist eine Freundin, die lieber schwimmt als ich. Die ist doch ganz alt. Ja. Und wo ist deine Mama? Weiss ich nicht? Schwimmt die auch? Ja, aber nur noch in der Halle. Warum? Hier kann sie nicht mehr barfuss laufen. Blöd. Du, ich komme bald in die Schule, da will ich schwimmen lernen.

Ich steige in Hose. Komm sagt eine Frau und bitte entschuldigen sie die Belästigung. Wir haben uns unterhalten. Sie gehen. Mama, die Frau hat viele Haare auf den Beinen.

Ich setze mich und trinke aus der Wasserflasche. Ich sehe uns zu viert baden in einem anderen See, vor ein paar Jahren. Ach, T.

Wir halten an einem Lokal auf ein kleines Alster. Wir fahren morgen auf die Insel sagt N. Hier ist es für H zu viel, was neu ist. Was ist da anders. Wir waren da schon mehrfach, ich habe einen Platz gebucht von dem frau das Waschhaus sehen kann und hoffe, dass sie sich nicht verirrt. Mal schauen, ich kann nicht mehr planen. Das du. Mm. K, wie hast du das gemacht, auch wenn es anders war. Täglich geübt, ohne Gebrauchsanweisung.

Tee auf dem Campingplatz. K, wir müssen dich noch besuchen, sagt H, ich weiss nicht ob ich noch mal her komme. Morgen zum Frühstück? Und das Kind? der muss da durch, ich rede mir ihm.

Mullen und Knullen, als ich U wecke mit Kakao. Ich bügele ein Tischtuch. K, wann kommen die? Dreiviertelstunde. Ich bin noch nicht gestylt, es rollt die Badezimmertür. Ich fahre gleich zum Bäcker, ruft U.

Ich  decke den Tisch, rühre Mayonaise, Eier kochen. K, echte Servietten.  Ja. Cool, ein Fest! Ich fahr dann mal.

Satt wischen wir die Münder. N, da sind ja noch die Tanks. Machst du das alleine, ich bleibe gerne hier. K, geht das für dich klar? Ich nicke. Nimmst du mich mit? Ich war noch nie in einem Wohnmobil. Gerne,

Wir waschen ab. K, ich glaube nicht, dass wir bis Danzig kommen. N schon. Ich schaffe das nicht. Ich wollte dahin. Warum? Da komme ich doch her. Wusste ich nicht. H erzählt aus ihrer Kinderzeit  auch aus einer Stadt im Krieg und wie sie mit neun  über Leichen rannte im Feuer und ums Leben. Tee? Hast du Fenchel? Ich nicke. Sie füllt den Wasserkocher.

Wir trinken. Sie erzählt, vom Schiff nach Dänemark vom Flüchtlingslager. Oxbüll? Woher weisst du das? Da waren meine Urgroßeltern. Wie hießen die? Wir waren so viele. Ich nenne die Namen. Gottlieb? Ja. Einer wohnte neben uns in der Baracke, seine Frau war viel jünger. Der mochte Kinder und kam aus Königsberg, war bei der Eisenbahn gewesen. Ich atme tief.  Hat er von seinen Kindern erzählt? Vertraute Namen werden laut, auch Anekdoten , anderes auch aus dieser Zeit. Es passt vieles, und ich zweifele an meinem Hirn, das sage ich. K, du kennst ihn doch, Nein, mein Urgroßvater starb zehn Jahre vor meiner Geburt. Ich kann nur meine Mutter fragen. Rufst du sie an? Ich erreiche den AB.

Der Schlüssel dreht. K, wäre so cool mal so zu übernachten, darf ich? N hat mir das erlaubt, H, was sagst du? Ich bleibe dann hier, K, wie früher? Ich nicke.

U, hast du deine Mutter gefragt? Ja , sie hat dir auch geschrieben. Ich schaue in den Messanger, dann nicke ich.  Schule? Da fahre ich hin, N ist streng, die weckt mich.

Beim Abschied küssen sich die beiden, Wie lange ist das her. Bevor ich meine Kopf verlor, war es normal, nicht Alles mit dir zu machen. Umarmung, Flüstern ..,

U zieht mich in die Küche, flüstert: K, machen die noch Sex? Ich habe nie gefragt. Warum? N hat gesagt, das sie so gut einschläft, wenn  sie mit H kuschelt. U, so kann sich auch Lust entwickeln.

Mit N kuschele ich nicht, bei dir bin ich sicher.  Das ist doch o.K., ich glaube nicht, das sie das will, sonst hätte ich „Nein“ gesagt.

H hat gefragt, ob sie in dein Bett darf und du hast ja gesagt. Ja. Und Sex? Anderes Kapitel, wollte ich noch nie mit ihr. Vor langer Zeit, als ich ganz große Angst hatte, hielt sie mich in den Armen. Dann ist ja gut.

Die Beiden gehen.

K, gehen wir auch, aber nicht in die Stadt? Kleingaetengelände? H nickt. Wir ziehen Schuhe an.

 

 

 

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