Scheiße, ich habe mich gepackt

Die Blase weckt, dank Wochenend, dunkelt die Behörde gegenüber. Barfuß und ohne Augengläser tappse  ich ins Bad, lasse Wasser. Gegenüber schweigt die Waschanlage. Ist ein stiller Feiertag?

U’s  Tür ist aufgerollt. Ich sehe nichts. In der Küche finde ich einen Zettel: „Bin bei Bäcker. Können wir nachher Paddeln gehen?“

Ich bette mich, schlafe ein.

T liegt neben mir. Wir reden, zarten, lieben uns und schlafen ein.

Kraulfinger spüre ich.

K, wach auf. es gibt jetzt Sonntagsfrühstück. U! Ich breite die Arme aus. Ich muss in die Küche, sonst brennt das Rührei an.

Ich raffe mich auf. Brille, Bademantel, Puschen … Ich gehe in die Küche. Für dich! U reicht mir einen Kaffeebecher. Ich schäume noch Milch.

Ich setze mich an den gedeckten Tisch. Kerzen brennen, weiße Garagendächer, der Himmel rötet. Ich leere den Becher, Gedanken fließen.

U, gähnt und serviert. Was ist los? Wie findest meinen Style? Ungewöhnlich. Warum? Auf weißes Hemd mit Jogginhose wäre ich nie gekommen. Als ich zum Bäcker ging mit meinen weißen Sneakers, das war cool. Du wirst das schon sehen.

Ich bin eine andere Generation, bin noch nie auf die Idee gekommen, mich zu putzen, um an einem Sonntagmorgen zum Bäcker zu gehen, denke ich.

Rührei? Ich nehme mir zwei Anstandslöffel. Mehr nicht? U, ich brauche Zeit um wach zu werden, mein Magen schläft noch. Das hast hast du gut gesagt. Darf ich den Rest? Hau rein.

U, was ist los, sonst schläfst du doch zu dieser Zeit? Diese Mamasache. Ich war früh wach und wollte dich überraschen. Mmh, danke. Ich habe nachgedacht. Ich ziehe nicht mehr bei ihr ein und bleibe für immer bei dir. Ich trinke einen  Schluck und atme tief. K, schmeißt du mich auch mal raus? Das kann ich mir nicht vorstellen. Und wenn du stirbst? Dann wird es andere Wege geben …

U, ich kann nicht entscheiden, wo du lebst. Schreibst du mir eine Entschuldigung? Ich muss morgen früh zum Jugendamt, das ist wichtiger als Schule. Warte mal ab. Nächsten Monat haben wir da einen Termin. Vielleicht brauche ich noch Denkzeit … Mhn, hat Mama dich kontaktet? Noch nicht, warum? Mich hat sie im Messanger nur beschimpft. Ich hole jetzt mein Phone, auch wenn du noch isst.

Puh. Du sagst ja Nix. Ich denke nach. U, ich will ins Bad. Schließt du dein Phone bitte an den Rechner an und druckst den Chatverlauf? Warum? Wir brauchen Belege, im Zweifelsfall. Hier ist eine Mappe, da kannst du die Blätter rein legen. Liest du die? Wenn du mich darum bittest.

Unter der Dusche frage ich mich, was so anders war, als ich vierzehn. Ich wollte ausziehen, weil ich so viel Stress mit meinem Vater hatte. Das Jugendamt war noch kein Ort, in dem  junge Menschen Gehör fanden, ich trockne mich.

Das Telefon. Ich gehe nackt. L, ja wir kommen in den Garten und bringen Suppe mit. U auch? Er will mit mir paddeln. Habt ihr Stress? Mmh, erzähle ich dir später. Ist B auch dabei? Mmh, bis dann.

K, du schrumpelst ja auch am Arsch? Bin ich noch zwanzig? Mama habe ich noch nie nackt gesehen. Warum? Ich zucke mit den Schulter, ziehe mich an.

Du die Suppe habe ich eingepackt, können wir? Ziehst du dich um. Ich habe doch mein Fleece. U, bügelst du ab morgen alle deine Hemden selbst? Nöh, wieso? Ich bügele deine Hemden nicht, wenn du damit paddeln willst. Du bist fies.

Wir ziehen Jacken an, steigen auf die Räder.

Du das Laub ist ja noch weiß. Vielleicht flüstert es?

Scheiße, ich habe mich gepackt.

 

 

 

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