Danke, ich mache mir ein Butterbrot.

Ich gähne viel an diesem ersten Wiederarbeitstag, E-Mailstau, Postberg. Bis mittags schauen was wichtig, entsorgen, stapeln, delegieren, dazwischen das Telefon.

Mittagspause und die Mikro ist frei. Meine  Auflaufdose dreht, ich fülle den Wasserkocher, setze mich erwartungsvoll.

O tritt ein, ohne Hallo. K, warum brennt in der Kiste Licht? Ich lächele, mein Essen wärmt. Sie wirkt säuerlich, was auch an meiner Brille liegen kann, hat etwas vergessen.

Wir essen. Du, F hat gesagt, D hat sich von ihrem Freund getrennt, weil … Du, wenn D das möchte, kann sie mir das erzählen, ich lächele und gehe zum Wetter über … Ihr Phone.

Oh, der Arme. Ja, Schatzi, natürlich gehe ich mit ihm nachher zum Arzt, ich mache früher Feierabend, Küsschen.

K, du machst doch doch ab drei für mich Telefonzentrale. Warum? Ich muss mit K zum Arzt, er ist beim Sport gestürtzt, sein Handgelenk tut weh. Kennst du das Zauberwort? Du machst das, auf dich kann ich mich verlassen , du bist ein … Nein. Dein Humor ist wundervoll. Nein ist mein Ernst. K, ich habe das doch meinem Mann versprochen … Ist das mein Problem?  Ich stehe auf und spüre ihren Blick im Rücken.

Feierabend, ich radele durch Regenschneegefiesele, halte beim Bäcker und beim Supermarkt. Käse, Milch, Gurken sind im Angebot, ich nehme so viele, wie in den Rucksack passen und Hotdogbrötchen. Mit U habe ich abgemacht, das es für ihn einmal pro Woche Junkfood gibt.

Dunkel sind die Fenster, als ich nach Hause komme. Ich trockne mich, setze Kaffee auf, packe den Rucksack aus.

Ich treffe mich mit N, wir wollen in die Stadt steht auf der Schiefertafel; schreibe mir, wenn du Essen machst. Ein Herz.

Ich setze mich, trinke, rauche bei offener Balkontür, lese den Brief om freue mich so. Ich könnte N, gerade knutschen, was noch nie mein Wunsch. Die beiden alten Freundinnen sind noch in dem Hotel, in das sie seid zwanzig Jahren fahren über die Feiertage, haben verlängert, N schreibt von ihren Schwierigkeiten zu leben mit I und der Demenz. Einen freien Nachmittag  in der Woche hat sie jetzt, hofft noch auf ein paar Womowochen im Sommer, plant keine Reise mehr. Mit I möchte sie Leben … I dankt für die Weihnachtssocken. Schreibt von ihren frieren als Flüchtlingskind und jetzt. Post so auf Papier von ihnen ist neu für mich.

U schreibe ich, er antwortet.

Nachdenklich gehe ich in die Küche, schnitze Salat, Gewürzgurken  wärme Würstchen, rühre Soße. Ich höre Nachrichten frage mich, vieviel Kriege und Landschaftsbrände zum Klimawandel beitragen. Einsparpozenzial?

Der Schlüssel dreht. K! Ich trockne mich und habe Kohldampf.

Ich toaste Längliches, decke den Tisch. U bleibt im Bad, ich höre den Föhn.

Wir essen, erzählen uns vom Tag.

K, siehst du was Neues an mir? Du hast Ketchup an der Nase. U reibt. Und jetzt? Hübsch verteilt, ich grinse. Verarscht du mich ? Vielleicht?

U eilt ins Bad und Küche , stellt die Ketchupflasche auf den Tisch. Jetzt habe ich Rouge, hübsch, sollten Männer öfter tragen.

Hast Du Tomaten auf den Augen? Noch nicht, du hast jetzt einen Sidecut. Du kennst das Wort? Ist das nicht cool und neu? Steht Dir. Neu? Ich kann dir Fotos von meinen Großvätern zeigen, ihn Wehrmachtsuniformen mit ähnlichen Frisuren. Nöh? Kann ich dir zeigen.

Nachher. Tauscht du mit mir, du kriegst ein Hotdog, ich Salat und Butterbrot? Nein danke, hast du mal auf den Küchentisch geschaut? Wieso? Gucke doch mal.

Cool, ist der Salat für mich? Danke, ich mache mir ein Butterbrot.

4 Gedanken zu “Danke, ich mache mir ein Butterbrot.

  1. Als das Kind noch in der grundschule war hatten wir auch so eine Art Junkfood-Tag. Da durfte es Freitags nur Sachen geben, die der Assistent (damals nur einer) und ich in unserer Kindheit in den achtziger Jahren als Mittagessen bekommen haben. War teilweise grauslich, denn wir pendelten zwischen Kartoffeln mit Spinat und Fischstäbchen, Kartoffeln mit Spinat und Eis, Billigspaghetti (also diese Packungen, wo die Sauce schon bei ist) und Dosenravioli und mussten als Erwachsene mitessen. Die Phase ist zum Glück vorbei, zeitweise wollte er aber einmal in der Woche Mac ’n Cheese. Das legt sich oft.

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      1. Unserer hat durch seinen Dolmetscher irgendwann erfahren, dass es veganes Essen gibt. Seitdem muss alles vermeindlich vegan sein (aber wehe, sein heißgeliebter Grünkohl kommt ohne Speck und Mettwurst und Burger – habe ich mir zu merken – mit veganen Patties sind keine Burger)… Bin gespannt, was als Nächstes kommt.

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      2. Hier sind gerade eingelegte Pepperonis der neue Hype. Der Knabe hat sich vom Taschengeld ein Glas gekauft, das ich eher der Gastronomie oder Großfamilien zugetraut. Er lutscht die weg. Kein Grund zur Sorge.

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