Jetzt habe ich was zum Vererben

Im Oktober sah ich nicht mehr gut, ging zu einer Kette, mit der ich bislang zufrieden. Das Meßergebnis passte so wenig zu dem, was ich auf der Nase trug, das ich mich wunderte, wie mir der Weg gelungen.

B traf ich, sie empfahl mir eine Optikerin in der großen Stadt. Ich machte einen Termin. Noch nie bin ich so gut beraten worden, jedoch, die gute Frau stellte fest, mein eines Auge schaltet sich ab, wenn beide sollen zusammen sehen. Wir wurden uns einig, erst Facharzt, dann ein Wiedersehen.

Ich rief meine Augenärztin an und stellte fest, die Praxis gibt es nicht mehr.

Ich klingelte mich durch viele Praxen, war froh, um den frühesten Termin im Februar.

Da war ich, hatte mir frei genommen, sonst hätte bis Juni warten müssen.  Das Kind von „Frau Doktor“, es stand kein Titel auf dem Schild, sei krank geworden, ich solle warten. Tat ich, strickte an einer Socke, anderthalb Stunden lang. Dann wurde ich zum Tresen gebeten. „Frau Doktor“ käme heute nicht mehr, ich solle an einem Vormittag Ende März wiederkommen. Ich arbeite bis sechzehn Uhr, habe mir heute extra frei genommen, hier sind noch fünf KollegInnen, kann nicht wer vertreten? Ich kann ihnen dann einen Termin Ende Mai anbieten.

Jetzt und das ist selten bei mir, wurde ich laut: Ich kann verstehen, das Frau X sich um ihr krankes Kind kümmert, warum kann hier niemand vertreten? Bei meiner Arbeit tun wir das auch, weil wir von unseren Kunden Leben. Die Praxis ist bis achtzehn Uhr geöffnet, ich kann auch wiederkommen. Herr „Doktor“ Y geht heute früher, sie können Ende März. Frau Plattehatnensprung, das werde ich nicht und diese Praxis niemandem empfehlen.

Draußen zünde ich mir eine Zigarette an und starre ratlos durch die Gegend. Dann schwinge ich mich auf’s Rad. In der Stadt ist eine große Praxis, vielleicht kann ich dazwischen rutschen, vielleicht ist wer nicht erschienen.

Am Tresen, erfahre ich heute, geht nichts mehr, aber Montag gibt es früh eine offene Sprechstunde. Eine Möglichkeit. Warum haben Sie mir davon am Telefon nichts gesagt? Dann wären wir überlaufen.

K, was machst du hier? Des Vaters Stimme. Ich drehe mich erstaunt. Du hier? Wir tauschen uns kurz aus. Du kriegst meinen Termin. Wir gehen zum Tresen. Frau X, ich meine Frau hat gerade angerufen, Rohrbruch, ich muss, wann kann ich nächste Woche kommen? Dienstag? Gerne. Frau Dr. Z, hat dann doch Zeit? Ja. Dann nimmt sie meine Tochter dran. Warum denn nicht.

Geben sie mir bitte vierzig Termine bis 2036, so gegen Abend. Gerne. Sie tippt, und druckt, reicht. Danke. Herr K, sind sie so lange, bei uns in Behandlung? Weiß ich nicht, dann werde ich hundert. Das glaube ich nicht. Jetzt habe ich was zum Vererben.

 

 

 

 

2 Gedanken zu “Jetzt habe ich was zum Vererben

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