Ich brauche frische Luft und ziehe Schuhe an …

Die Blase weckt, es beatboxt in der Küche, ich schaue auf die Uhr und wundere mich.

K! Kaffee für Dich ist in der Kanne, ich werde ihn dir kredenzen, setze dich an den gedeckten Tisch, ich komme gleich. Ich hülle mich in den Bademantel. Belegte Brötchen stapeln sich auf zwei Tortenplatten. Ich beisse in Eins, kauend gehe ich in die Küche.

U schneidet Eier. Planst du ein Fest? Ich sorge für Proviant! Wofür? N und A kommen gleich, wir wollen den letzten Tag im Bad genießen, ab morgen ist die Halle zu. Warum hast du mir nichts gesagt? Vergessen. Frühstücken wir? Ich habe keine Zeit. Kommst du? Naaahh guuut.

K, nöh, du hast dir ein Klopsbrötchen genommen, ich hatte doch nur vier. Als ich zu Bett ging kühlten sieben in der Pfanne, sind die in der Nacht verdunstet? Es roch so gut, als ich mal Pullern musste. Ja, ich finde es nur fair, einen abzukriegen …  K, du plättest mich, ich kann nicht widersprechen; bist du sauer? Warum? Ich habe vom Dosengeld fünfzehn Brötchen gekauft, drei mit Käse, aber auch ein Pummel für dich, Salat und Tomaten sind auch alle,  Mettwurst und Putenbusen …, du warst doch gestern auf dem Markt …  Ich sehe U schrumpfen, lege Arm. Mach dir keinen Kopp, du hast morgen Zeit, kannst einkaufen gehen … Ich kraule Rücken, hättest du was gesagt, ich hätte mehr mitgebracht. Jetzt ist es so. Ich kann doch verstehen, das ihr das noch nutzen wollt in euren verlängerten Ferien. Oh, K!

Es klingelt. N, Umarmungen. Ich bin so froh, Mama hat es erlaubt! Ich gehöre doch zur Risikogruppe. Mögt ihr Käsekuchen, der ist noch warm? Ich habe auch Gurke und Möhren mit und einen Dipp.

Wir essen, es klingelt. N bringt Börek mit, Tee und Bananen. Wir frühstücken und klären, das wir heute Abend königsberger Klopse teilen, das was übrig ist und bei großem Hunger Nudeln kochen können.

Die jungen schwimmen ab.

Ich fülle meinen Becher und lese Zeitungen online.

Das Telefon, T. K, als Schulbegleiterin habe ich ab morgen zwangsfrei, wie schaut es bei dir aus? Ich will ins Büro, die mit kleinen Kindern versuchen sich im Homeoffice, ich kümmere mich ums Telefon. Und eure Teilnehmer? Werden wir morgen sehen. Freitagmittag gab es noch keine Reaktion der Arbeitsagentur, vielleicht gehe ich bald in Kurzarbeit. Ich habe keine Angst, der Konzern ist reich genug. Mmh, mein Träger schweigt. Lange ist es nicht bis zur nächsten Miete. Bitte sage was, falls du in Bedrängnis kommst, ich habe das Englandgeld zurück, kann dir was leihen. Danke.

K, bist du einverstanden, wenn ich mit den Beiden morgen paddele? Und wie! N hat mich darum gebeten … Du, ich bin froh, habe auch Angst sie könnten auf komische Ideen kommen, durchaus altersangemessen, wenn in den nächsten vier Wochen alle Pläne wanken. Mmh, auch die Zirkusproben sind abgesagt, ich habe Angst, was geschieht, wenn N befallen wird. Kann ich verstehen. Du mir fällt nichts anderes ein, als Hände waschen und schauen, was wird, zusammen halten und nicht in Panik zu verfallen. Verhungern werden wir nicht, auf uns kann nur Regen fallen, woanders sind es Bomben. Du machst mir Mut. Wir legen auf.

Ich dusche, singe vor mich hin, freue mich Zeit mit mir zu haben und trockne mich.

Das Telefon, die Mutter ruft an um Freude zu teilen. Sie liest in den jüngsten Buch, das die Tochter ihrer Neu-Alt-Freundin geschrieben. Letztere hat es ihr geschickt. Sie leiht es mir demnächst; ich bin gespannt. Sie ist entspannt, hat Krieg und Hunger erlebt, gehört mit 83 zu einer Risikogruppe:

Tochti, meine Nachbarn schieben Panik, haben den Keller voll mit Klopapier, Mineralwasser, Dosen und Tütensuppen, sollen sie.

Ich habe gestern meine ersten orthopädischen Schuhe bestellt, hatte gute Beratung, hoffe damit besser gehen zu können.

Wenn mich das Virus rafft, werde ich kein Pflegefall, auch wenn ich gerne lebe.

Natürlich ist U uns, wie jeden Donnerstag willkommen.

Ich koche Tee und lese wieder „In Annas Namen“ von Helga Schütz.

Das Telefon, N. K, ich bin so froh, das H wieder hier ist, in den Heimen ist jetzt Besuchsverbot; sie nicht zu sehen, geht nicht für mich, wir haben Unterstützung von einer Freundin, die gerade in Rente ist. Wir reden lange, auch davon ob wir die beiden mit Rädern besuchen kommen, wenn ich Urlaub haben, entscheiden nichts.

Ich brauche frische Luft und ziehe Schuhe an …

 

 

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