… und trinken Tee bis Mitternacht

K, unsere Radtour war cool,  so leer habe ich den Strand noch nie gesehen an einem Sonnentag. Gönne dir ’nen Kaffee, du hast ja schon ganz früh gekocht, ich wärme unsere Suppe.

Ich stelle die Maschine an und packe aus. Ich rauche, trinke auf dem Balkon, rufe die alte Freundin an, die unter Quarantäne lebt. Wir erzählen uns vom Tag. Hast du was zu Nähen? Ich brauche Beschäftigung. Hier liegen noch zwei ungeflickte Knabenhosen rum, die hänge ich dir morgen mit dem Einkauf an die Tür. Was brauchst du? Ich gehe rein und schreibe auf, auch den gewünschten Lesestoff.

Ich schaue in meine Mails, U deckt den Tisch. B hat einen liberalen Gottesdienst im Netz gefunden, I hat Angst um ihren Bruder, der nicht gut Husten kann, B schiebt Panik. Ich lese nur die ersten Zeilen, seit Wochen geht sie nur mit Maske aus dem Haus wegen ihrer Allergien, die sich auf Lebensmittel beschränken.

Wir löffeln.

K, morgen treffe ich mich mit K, wir wollen auf die Skaterbahn. Nee, die ist gesperrt. Er hat mir coole Fotos geschickt mit seinen neuen Tricks, die er mir zeigen will. Fällt aus, mein Süßer. Willst du mich einsperren? Nöh, wir waren vorhin draußen. Du mit deiner Logik! U, ich habe dir das erklärt, auch du verfolgst die Nachrichten. Es ist aber blöd, immer nur so Wenige zu treffen. Finde ich auch, kann ich nicht ändern.

K, ich hole mir noch Bohnensuppe, dann pupse ich dich von Sinnen. Wir machen einen Wettbewerb? Nee, das bringst du nicht! Warte ab! Wir füllen unsere Teller, lachen.

K, haben wir Nachtisch? Nein. Die Eisdiele hat wieder auf, holen wir uns eine Waffel? Geht das? Hast du ein Fußleiden? Verarsch mich nicht! Du machst doch Kurzarbeit, kriegst nur sechzig Prozent … Für die drei Tage, an denen ich nicht arbeite. Ich kenne das schon, der Unterschied ist nicht so groß. Sonst gehe ich gerne ins Konzert und ins Theater, danach auf einen Schluck, das fällt jetzt aus. Auch in den Ferien fahren wir nicht weg.

Wir gehen, reden, schlecken.

K, an meinem Geburtstag können wir wohl nicht Bowlen gehen, das hattest du versprochen. Mmh, da war das Virus in China ausgebrochen, ich ahnte noch nicht, das jetzt Alles anders ist. Wir machen das wenn es wieder geht. Aber wir feiern? Wenn wir gesund bleiben, klar. Du magst das nicht, bestellst du mein Geschenk im Netz? Drei Wünsche habe ich dir gesagt. Darum musst du dich nicht sorgen. Ich glaube dir, weil, das war immer so.

(Sein aktuelles Wunschtrikot – mal wieder Flohmarktware – liegt in der Schublade unter meinen Unterhosen, die Bratpfanne im Drechselholz. Ein Streamingabo kaufe ich Nirgendwo.)

U, räumt die Küchen auf, ich lausche dem AB und pflücke Wäsche, sortiere.

K, hast du ein Schachspiel? Auf dem Boden. Holst du das, ich rufe Mama an. Ich nicke, nehme den Schlüssel und die Treppe.

Dann stelle ich auf.

K, das ist doch kein Holz, woher ist dieser Schrott? Von meiner Großtante. Schön ist das nicht, aber woraus? Aus Brot und Lehm. Wo hat sie das gekauft? Das hat sie gemacht, in Kriegsgefangenschaft. Da waren doch nur Männer. Nein. Wir kommen ins Gespräch und trinken Tee bis Mitternacht.

 

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