Ich freue mich auf diesen Tag …

Ich stehe auf mit Wecker und im Wissen, Kurzarbeit null. Die Wohnungstür wartet auf Grundierung, geschliffen ist sie schon. Die Eigentümerversammlung, hat eine Renovierung beschlossen im Treppenhaus, das wusste ich. Jetzt von hüh auf hott? Gestern Abend las ich davon an der Haustür … Müssten Mietende nicht informiert werden … Egal, ich habe Zeit, dank der Konzernrundmail … Bei der gesetzesfrist müsste ich mir in normalen Zeiten vielleicht Urlaub nehmen …

Ich setze Kaffee auf, gehe ins Bad, höre das Baustellenradio im Treppenhaus, bekleide mich und frage, wann, mir wäre gleich am Liebsten, dann kann ich früher raus. Ich wollte zu Frau B, die macht nicht auf. Passt.

Es duftet gut, haben sie einen Kaffee für uns? Nein. Kein Geiz, schnell will ich aus der Tür, die trocknen muss.

Ich putze die Dunstabzugshaube, schnitze Gemüse, und aufgetauten Hühnerbusen, setze ein Curry auf und Reis, ich schmiere mir ein Brot mit Pflaumenmus und schaue im Netz, was los ist auf der Welt.

Türen rollen. K, du bist ja hier!? Habe ich dir doch gesagt … Habe ich vergessen … Gehst du ins Bad? Ich gehe zum Bäcker, zwei Käsebrötchen für dich? Eins reicht, wir müssen sparen … U, mach dir keinen Kopf, ich hatte schon mal Kurzarbeit, war arbeitslos, habe von Hartz IV gelebt, das kriegen wir hin …

Leer ist es beim Bäcker, sonst stehen Schülerschlangen hier zu dieser Tageszeit. Vier Brötchen kaufe ich, ein Brot und einen Schokokuss, schnacke mal wieder mit der Verkäuferin. Ihre Kollegin hütet ihren Sohn, der sonst in der Kita wäre. Ihnen fehlen die Jungen von der Rotz-Reich-Schule, die hier mal locker 15 Tacken am Morgen lassen? Nicht nur die, die Konfirmationen sind abgeblasen, auch manche Hochzeitstorten …

Normalerweise stünde eine eine Autoschlange an der Ampel. Ich gehe bei rot, selbst sonntags täte ich das nicht.

U sitzt noch im Schlafgewand am Notebook. K, ich chille nicht, ich mache Hausaufgaben. Bist du krank? Nöh, ich will was mit dir erleben, deckst du den Tisch? Mhm.

Ich bastele uns Schlemmertaschen, ein Klatschbrötchen für U, Käse für mich, koche Tee und Schokolade, decke den Tisch und zünde Kerzen. Frühstück, rufe ich. Cool, bin fast fertig!

K? Das ist nicht dein Ernst! Was feiern wir? Die Zeit, die wir jetzt zusammen haben. Cool, aber so viel, das ist doch teuer. Du, ab morgen gibt es nur noch Knäckebrot und  absolute Gurkensperre. Naja, die sind gerade teuer … Ich verarsche dich! Ich habe das geglaubt …

U, was machen wir? Garten! Ich habe A versprochen, ihr beim Umgraben zu helfen, weil sie doch Beete braucht, das ist doch eine Wüste. Ich schlucke Tee und wundere mich. K, gestern, da warst du im Büro, war ich da mit N, wir sind gepaddelt, in zwei Booten, du weißt ja warum, sie hat gegraben und gesagt, das sie Kartoffel pflanzen will. Sie hatte eine Suppe gemacht aus Brennesseln und Topinambur, den gibt es bei ihr massenhaft, wir haben sie auf unserem Steg gegessen.

Der Maler klopft und schraubt Beschlag und Spion. U geht ins Bad, ich in die Küche.

Ich freue mich auf diesen Tag …

 

 

 

 

 

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