Wir gehen Pommes essen …, reihen uns ein

U lernt am Rechner, ich will erstmals nach Wochen wieder in die Stadt. Ich brauche neue Unterhemden, manche sind zu Putzlappen zermürbt. K, wenn Du Currywurst entdeckt, schreibst du mir dann? Ich nicke, ziehe Schuhe an.

Ja, es entspannt zu radeln bei so wenig Verkehr und  befremdet auch . An manchen Fenstern, wo noch wer was eröffnen wollte klebt Papier. In einem Waffelladen leuchtet noch der Name, Stühle sehe ich durchs Fenster keine mehr. Die Handschrifttafel kündet noch Waffeln mit Lachs und Wasabimayonnaise an; ich habe sie nie probiert.

An jeder Ecke freie Fahrradbügel. Einst blieb ich stehn, wenn ein anderer Mensch das Seinige davon löste. In der Fußgängerzone, könne mensch, wäre das nicht verboten, ’ne Walzerdemo machen, ohne Verstoß gegen die Abstandsregeln zu den Passanten.

An U’s Lieblingsklamottenladen klebt Sale mit hohen Prozenten. Zwei Menschen stehen vor der Tür. Ich stelle mich an, um nach seiner Größe zu schauen. Er ist gewachsen. Ein Foto mache ich.

Gleichzeitig erklingen zwei Glockenspiele mit unterschiedlichen Melodien, das hört man sonst nicht.

Die Mutter sehe ich, sie sitzt auf einer Bank, schleckt Eis. Rutsch mal. Wir sitzen an verschiedenen Enden. Ich habe kein Gummiband gefunden, bin doch am Masken nähen, meins war zu alt. Ich sage B Bescheid, sie steckt Dir welches in den Kasten. Wieso? Die hatte von ihrer Mutter etwa zweihundert Karten voll geerbt. Dein Ernst? Mmh, du weißt, die gute Frau war dement und niemand ahnt, was ihr daran so wichtig war. B könnte das im Netz verticken. Du, sie ist so unbegabt, aus Allem Geld zu machen, wie du und ich.

Tochti, für mich hat es sich gelohnt, in die Stadt zu fahren, ich habe Kugeleis gegessen, dich getroffen und kriege, was ich brauche. Was treibt Dich her? Ich brauche Unterhemden. Ich wünsche dir viel Erfolg. Ich war nur in einem Laden, weil dein Vater neue Socken braucht. Auf seiner klein gemachten Fläche gibt es Löcherjeans und reduzierte Bademoden und Anzüge. Der Handel hat, ganz viele echte Probleme, aber wer soll das jetzt kaufen. Du, in den alten Häusern gab es auch nur teuren Luxuskram samt reduzierter Krawatten.

Wir verabschieden uns  umarmungsfrei. Mir weht es durch die Knochen.

Die Pommeslust hat wieder auf, mir läuft die Spucke, da sind die aus frischen Kartoffeln, ich mache ein Foto und stelle mich bei der mageren Kaufhausschlange hinten an.

Das Angebot ist übersichtlich: Düfte, Kochtöpfe, Handtücher, Sandkistenbedarf, Polohemden, die mein Budget überforden, Stoffe … Mundschutzschnittmuster umsonst, bei Mindestabnahme von. Kein Nähgarn, kein Gummiband, keine Stecknadeln, … Ein Infostand, mit großem Schild: Ihr Wunsch, unser Service! Wünschen Sie genau. Wir bringen es Ihnen, sie können kontaktlos zahlen. Produktbeschreibungen im Netz sind genauer. Bei einem Buch weiß ich die ISBN, aber Unterhemden will ich sehen, tasten.

Ich schreibe U. Er braucht noch ein gutes Stündchen will vor den Pommes nach Klamotten und fragt, ich wische mir die Augen, ob er Sandalen kriegt.

Ich schlendere durch die Nebenstraßen. Eingeschränkte Öffnungszeiten, selbst Postkarten kann ich jetzt per Messenger oder Mail bestellen und später abholen.

Mein Handy glockt. K, wann hast du Zeit für Sekt. B, am Vormittag? Mein Antrag ist durch, weiß ich seit drei Tagen, eben habe ich auf mein Konto geschaut, das Geld ist da! Du, ich bin in der Stadt, setzt du Kaffee auf?  Organisierst du  uns ’ne Pikkolo?

Ich trete durch die Ladentür. B strahlt, beinahe hätten wir einander umarmt. Wir prosten uns kontaktlos mit Kaffeebechern zu, schauen uns in die Augen.

Du, jetzt kann ich wieder Ware bestellen, ich habe ja Anfragen, Neulich hattest du noch mehr, jetzt stehen hier doch Dummies. Geräte von Kunden machen mehr her als leere Regale.

Wir kommen zu nichts, fünf Kunden  im Laden in einer Stunde, ich vertröste am Telefon, mache außer Haus Termine. Seine Chance, die Riesen haben jenseits vom Netz Flächenbegrenzung. So wenig ist life gerade möglich, da wird glotzen wichtig. Die Ladenklingel, ein Gespräch. In der Werkstatt verstehe ich nur Fetzten. K, hast du Zeit, das ist umme Ecke? Ich nicke.

Ein Kunde mit einer versifften  Fernbedienung, die nicht mehr geht. Einst hat er seine Lehrprobe in meiner Schulklasse gemacht, erkennt mich nicht mehr, da Freunde seine Mieter sind, weiß ich das er umme Ecke wohnt. Wir rufen Sie an, sobald …

Ich langeweile mich, mache das Ding mal auf. Ausgelaufene Battereien und Dreck. Ich tue, was ich mit meiner täte, greife zum Meßgerät, das ich zu Hause nicht habe und siehe da, die Kiste läuft.

B kehrt zurück, ich sage ihm und frage ihn,  nach dem Preis. Wir schauen, ob es eine Neue gibt und was die kostest. Da beginnt ein Reparaturproblem unserer Tage: Weniger als sein kalkulatorischer Lohn für als eine  halbe Stunde plus Mehrwertsteuer.

Mein Handy glockt. K, ist das Dein Ernst, das mit den Pommes? Mmh. Ich bin noch bei B im Laden, er ist noch nicht zurück. Ich komme zu euch, schauen wir dann zusammen? Wenn du willst? Ja, du zwingst mich nicht in deinen Geschmack.

Wir gehen Pommes essen …, reihen uns ein.

 

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