Wir radeln durch den Regen

B hat sich frei genommen, ich hüte den Laden, langweile mich, weil Nichts geschieht, auch die Telefone schweigen beharrlich.

Ich sauge Staub, wische den Boden, zünde mir eine Zigarette an, es bimmelt die Ladentür. Ich bin’s sagt U, zieht die Maske aus, als er in der Werkstatt ankommt. Der Rucksack fliegt in eine Ecke, er setzt sich auf meinen Schoß. K, ich war im Bad, bin in der Warteschleife, habe ne Nummer gezogen, essen wir was, zusammen schmeckt das besser.

Ich habe  Müsli mit Pfirsichen. Habe ich gemerkt, die waren nämlich weg. Ich habe Brötchen mitgebracht, Mettwurst, deinen Stinkekäse, Tomaten, Salat, Gurke, Eier und Remoularde. Wir stärken uns, dann fahre ich ins Bad.

Du, wir haben Unwetterwarnung, ist das …

Das Telefon. Ja, Frau Z. Sie waren gestern hier. Ihr Kopfhörer ist nicht kaputt, hier hat er funktioniert. Gehen Sie mal zu ihrem Fernseher. Ja, ich höre er ist an. Sehen sie die Kabel? Ein Stecker ist gelb, den stecken Sie bitte in die gelbe Buchse. Nicht am Fernseher, an dem kleinen schwarzen Kästchen, auf dem ihr Kopfhörer wohnt, wenn sie ihn nicht auf den Ohren haben. Sie können noch  nichts hören, bitte stecken  sie den türkisen , in … Nein, ich kann jetzt nicht zu ihnen kommen, nein Herr B auch nicht, der ist bei anderen Kunden. Ich schicke Ihnen U, der kriegt das hin. Ja, er macht sich in zehn Minuten auf die Socken und hat eine schwarze kurze Hose und ein grünes T-Shirt an.

Ist die dement? Ich glaube schon. Sie wohnt drei Häuser weiter. Machst du das? Mmh, U kaut, geht zum Regal. Der? Ich nicke? Das kriege ich hin. Was kostet so ein Hausbesuch? Ich nenne einen Preis, machst du es so? B hält manchmal die Kaffeekasse hin, sagt was es Ihnen wert ist und dreht sich um. Cool, ich gehe mal.

Ich schneide ein Brötchen auf, die Ladentür bimmelt. Der Herr in Pink, den ich in dieser Straße oft gesehen, in seinen grünen Gummistiefeln und mit Zylinder.

Haben Sie Kabel? Viele, was suchen Sie? Er kramt in den Hosentaschen, findet einen Zettel, schaut. Für meinen Fernseher. Wissen Sie die Marke? Der ist schwarz. Das sind ganz viele. Der ist so, wie der in der Werkstatt ist. Da packe ich Marzipan ein, ich habe den hier gekauft. Sie wissen das nicht?

Ich habe eine Idee, einen Moment bitte. Ich grabbele in der großen Kiste, die in der Werkstatt steht, finde zwei original verpackte, eins passt für den Hersteller mit Sonderwünschen, eins für die meisten. Was kostet das? Einsneunzig, ein Sonderpreis. Und wenn der nicht passt? Sie können beide mitnehmen, das Kabel das nicht passt, können Sie die Tage zurück bringen. Ich muss das nicht bezahlen? Nein, ich vertraue Ihnen…

Ich lasse die Kasse klingeln, und wenn Sie mögen, nehmen Sie sich einen Bonbon. Die mit der Kuh sind gut, die gab es bei meiner Oma. Es singt die Tür.

Es klopft am Werkstattfenster, U; ich lasse ihn durch die Hintertür. Das hat geklappt und war ganz leicht. Sie schaut jetzt das Promipuzzle. Sie hat mich gefragt, was ich kriege, ich habe gefragt, was ist es Ihnen wert. Sie hat mir diesen Schein gegeben, das ist doch zu viel, ich hatte an ein Eis gedacht. U zieht nen Braunen aus der Hosentasche. Den will ich nicht, sie hat darauf bestanden, was kann ich tun? Ich habe ihr gesagt, ich bringe ihr gleich Wechselgeld. Mmh, ich zucke mit den Schultern. K, sie hat gesagt, sie mag das Inseleis. Der Kiosk hat das, da gehe ich jetzt hin und bringe ihr eins mit. Den Rest lege ich auf ihren Tisch, da liegt noch mehr.

Ich schmiere Luxusbrötchen, U stürmt durch die singende Tür. K, die hat sich total über das Eis gefreut, ob sie das mit dem Geld gemerkt, weiß ich nicht.

Wir schmausen, draußen dunkelt es. Regen rauscht, dann zucken Blitze. Es singt die Ladentür.

Ist Herr B nicht da? Er ist bei einem Kunden. Meine Fernbedienung ist kaputt. Er legt sie auf den Tisch. Den Fernseher hat Herr B letzte Woche erst geliefert, ich bin hier seit Jahrzehnten Kunde, seid wann gibt es hier solchen Schrott

Sie wohnen doch im Stadthof, oder irre ich? Was geht Sie das an. Nebenbei und zur Beruhigung, prüfe ich die Akkus, die geladen sind. Werter Herr, im Stadthof gibt es eine spezielle Empfangsanlage, die gestern erweitert wurde von einer anderen Firma, da scheint nicht Alles rund gelaufen, auch Nachbarinnen waren schon hier. Wenn ihr Fernseher „kein Signal“ anzeigt, liegt das nicht an der Fernbedienung. Die Kabelanlage wurde erneuert. Bitte wenden Sie sich an die Firma, die damit beauftragt ward. Der Verwalter ist nicht da, Sie müssen doch …  Was? Ich kann nicht Fernsehen das ganze Wochenende …  Mmh, das kann ich nicht ändern. Aber wenn Herr B ? Mein Chef ist kein Fensehgott und unterwegs, auch er könnte daran nichts ändern. Es singt die Tür,der Regen rauscht.

K, sind hier oft Menschen, die nicht nur in den Laden kommen, weil sie was kaufen wollen? Ja, B lebt davon. Das ist nicht leicht.

Die Glocke läutet, ich schließe die Ladentür.

Wir radeln durch den Regen.

 

 

 

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