Es duftet nach Herbst

Das ich im Büro immer wieder auf`das Handy glotze ist ungewöhnlich, nur U darf mich erreichen, wenn es wichtig. N durfte heute auch und ich war, froh zu lesen, das sie im Auto sitzt und H vermutlich zum ersten Mal im Heim zu Mittag isst. Der gestern angekommene Coronatest wurde akzeptiert, er war das letzte Hindernis, samt eines Wasserschadens dort, wo Quarantäne möglich.

Das N durch, weiß ich, auch das sie in den letzten Nächten kaum geschlafen.

Ich mache Feierabend, schwinge mich auf’s Rad gen Garten. Das Handy sirrt als ich auf der Brücke bin. Ich halte, lese, N sitzt im Auto heult. Ich steige auf, trete, merke nicht die Ampel, ein Auto hupt, jetzt sehe ich das Rot.

Ich komme im Garten an, breite die Hängematte, ziehe mich um und denke, fahren wäre jetzt nicht gut, setze Wasser auf, schreibe C, einem gemeinsamen Freund, der auf ihrer Ecke wohnt. Mein Handy glockt, C. Bin noch im Meeting, hole sie in einer guten Stunde ab.

Ich fülle den Becher, lege mich, rufe N an. Magst du reden? K! Schluchzen, Nase putzen höre ich. Wir schweigen … Bist du noch da? Ja, schluchzen. H ist jetzt fort und mit ihr 55 Jahre Gemeinsamkeit, ich kann nicht mehr und vermisse sie… weinen, schneutzen, schweigen. K, ich kann nicht mehr fahren, habe meine Börse vergessen … , sonst würde ich ein Taxi rufen. N, ich habe C angerufen, er holt dich ab, sobald er kann … Fand noch keinen Weg, es dir zu sagen … Danke, wie bist du … Schweigen, atmen …

Ihr habt mich doch überrascht, als ich am Ende meiner Kraft, nach T’s Tod, standet ihr mit dem Womo vor der Tür klingeltet Sturm mit frischem Kaffee. Ich kann jetzt nicht zu Dir, habe das mit C im Laufe des Sommers besprochen. Schluchzen … Die Leitung bricht, ich leere den Becher, denke nach …

Das Handy weckt mich mit großem Geläut. K, dein Nusspäckchen stand vor der Tüt, die Riegel sind schon alle, C kocht, trinkst du mit mir ein Bier? Mal schauen ob eins hier.

Ich finde in der Hütte, lege mich wieder unter den Apfelbaum, wir stoßen auf das Leben an. N weint, schneuzt sich, K ich heule dir die Hucke voll. Mmh, und? Erinnerst du dich noch an deinen nassen Pulli? Auch wie es weiter tropfte. Wir lachen.

Du, C ruft zum Essen. Lasst es Euch schmecken.

Ich stehe auf, schnitze Gemüse, setze Linsen auf und denke an H, was sie wohl gerade macht an ihrem neuen Lebensort?

U kommt von Trompetenunterricht umarmt mich. K, du hast ’ne Fahne, säufst du wie Mama heimlich?

Ich habe mit N am Telefon ein Bier getrunken, die Flasche steht noch auf dem Tisch. Ihr wolltet doch Schnaps, wenn H im Heim? Hat sich verändert. Und wo ist der? Im Schrank. Wenn wir nach Hause kommen schaue ich nach. Ja.

Kann ich jetzt Paddeln gehen? Mhm, hast du Würstchen mitgebracht? Wenn wir die jetzt in die Suppe tun können wir bald essen. Cool. Paddeln wir dann zusammen? Gerne.

Wir löffeln. K, ich weiß, das du nicht säufst, ich zähle ja die Flaschen in deinem Monatskasten Bier. Aha, und? Meine Colakiste ist schneller leer, ich teile ja auch mit Freunden. Tue ich auch. Du bist die Gartenbierbeauftragte, aber ich könnte in der Schule auch mal, weil du ja morgens Kaffee trinkst, bist Du ja wacher. Du hast Taschengeld, kannst dir davon Cola kaufen. Aber, wenn … Hast du schon mal erlebt, dass ich mit Bier zur Arbeit gehe? K! Nee, du hast manchmal Ideen …

Wir steigen ins Boot, wollen zur Insel mit dem wohl letzten Brombeerquark in diesen Herbst.

Handygeläut. U, wenn das N ist, geh ich ran. Mmh, ich paddele uns.

K, hast du Zeit? Klar, U paddelt uns zur Insel. Wo wir mal zu viert gepicknickt? Ja. Was habt ihr vor? Nachtisch und miteinander sein. Und du? C bleibt heute Nacht hier, danke, du hast das eingefädelt. Mmh … Morgen fahren wir zusammen ins Heim, weiß nicht ob ich das alleine schaffte. Ist doch ein Weg. Ich gehe jetzt zu Bett.

Wir löffeln Quark. K, darf ich dich was fragen? Ja. Wie geht es H? Weiß nicht, sie mag nicht mehr telefonieren. Meinst du, das sie traurig ist? Glaube schon, ich weiss es nicht.

Sie mag doch Musik und mein Beatboxen, hat mich doch auch gefragt, ob ich für sie Trompete spiele. Ich hatte die nicht mit. Ich kann das doch aufnehmen, N kann ihr das doch mitbringen. Wartest du ab? Warum? Ich glaube, alle brauchen gerade Zeit, sich zu sortieren. Paddeln wir zurück? Ich nicke wir steigen ein und paddeln.

Es duftet nach Herbst.

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