Geteiltes Bier am Küchentisch

Die Blase weckt, ich folge ihr und sehe Licht bei N. Ich klopfe an die offne Tür. Der Bildschirm spiegelt sich in ihren Augengläsern.

Komm rein, hälst du mich fest? Ich nicke, stelle mich hinter sie, ergreife ihre Schultern, lege die Wange auf ihren Schopf. N, klappt den Rechner zu. Du musst nicht alles wissen. Sei unbesorgt, ich könnte nur mit Brille lesen, die setze ich zum Pinkeln nicht auf. Hatte gehofft, du kommst, wollte Dich nicht wecken … Ich flöge so gerne fort, weiß nicht, wohin … Wo wärst du gerne? Weiß nicht, irgendwo, wo ich auch atmen kann ohne mich um H zu kümmern, vielleicht bei Tag auf einem Segelboot. In den letzten zehn Jahren ging es nur nach ihr… Auch eure Hochzeit?

Mmh, sie wollte mir keine Vollmacht geben, ihr Misstrauen wuchs mit der Demenz. Wir haben über Betreuung gesprochen, sie hat das abgelehnt, wollte, das ich entscheide, wenn sie es nicht mehr kann … Unser Notar riet mir zu diesem Antrag … Dir Fortsetzung kennst du ja, gehen wir in die Küche? Ich brauche ein Käsebrot.

Wir teilen die Stullen, die im Kühlschrank auf uns warten und frischen Tee, reden, schweigen …

Teilen ein Bier, morgens um Vier am Küchentisch.

Vielleicht kann ich die „Patentante“ morgen im Krankenhaus besuchen denke ich und schalte die Lampe aus.

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